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09/2018
Erfolgssucht

Neben den Erfolgreichen auf dem Brunnenrand des ergiebigen aber gefährlich tiefen Lebensbrunnens sitzen zu dürfen, wird unter den Flachsinnigen als Erfolg gewertet, solange jemand nicht rücklings wegsackt. Und wer mit riskanten Kunststückchen dort brilliert, wird von seinesgleichen stets bewundert, jedoch gleichermaßen verachtet, wenn er dabei hinabstürzt. »So ist das Leben: lebensgefährlich!«, sagen uns die Verbohrten.« Und sie fügen frustrierend für die Einfältigen hinzu, die gerne auch am Brunnenrand der Reichen und Mächtigen säßen, aber keinen Platz dort finden können: »Wer die Wüste wählt, wird durstig bleiben.«
G.O. /Montagsdichter

07/2018
Schnelle Lösung des Migrantenproblems
Wenn es zutrifft, dass die Zuwanderung von «Schutzsuchenden« dem Staat pro Jahr 50 Milliarden Euro kosten, dann sind das bei 80 Millionen Einwohnern rund 600 Euro pro Kopf. Sobald eine »Solidarabgabe für Schutzsuchende« monatlich per Abbuchung von 50 Euro je Familienmitglied erfolgte, wären die gesetzwidrig »offenen Grenzen« ratzfatz geschlossen, die verantwortlichen Parteien in der Wüste und die Einwanderung beendet. Doch soweit darf es ja bekanntlich nicht kommen: Das Umformungs-Projekt zur Abschaffung der Nationalstaaten im Sinne von EU und Neuer Weltordnung ist keinesfalls erledigt, und der Steuer-Michel zahlt ja gern für alle und alles.
Von Unbekannt

05/2018
Kurzfristig zeitlos
Soeben muss der Minutenzeiger der Bahnhofsuhr unter sich seinen Partner versteckt haben, denn es scheint, der Zeit wäre gerade ein Unglück geschehen, oder mir, da mein Zeitgefühl sich jäh für einen Augenblick verabschiedet hat und ratlos, ja erschreckt reagiert. Gleich aber nehme ich überrascht die Überlappung der Zeiger wahr und bin sogleich versucht, mir die Konsequenz von Zeitlosigkeit vorzustellen, und will auch ein Gefühl für solch einen Zustand abzurufen. Erstaunlich! Eine Minute ist eine Menge Zeit für sprunghafte Gedanken, bis endlich der Stundenzeiger der elektrischen Bahnsteiguhr wieder freigegeben wird. So viel kann ich jedenfalls uneingeschränkt sagen: Hier möchte ich nicht ewig stehen und warten!
G.O. /Montagsdichter

03/2018
In der Kürze liegt die Würze
Mir gefallen klare, plakativ formulierte Gedanken viel besser als ihre langatmig ausgearbeiteten Verwandten. Einfach deshalb, weil Gründlichkeit auch Nervenstärke, mehr Arbeit und Zeit fordert, sowohl vom Schreiber als auch vom Leser. Ob trockene Ausführlichkeit einer Sache dienlicher ist, bleibt fraglich. Beispiel gefällig? Obwohl ich sexuell nicht aufgeklärt wurde, genügten ein paar aufgeschnappte grelle Worte zum Thema, und schon reichte es für die Praxis. Müsste aber der theoretische Unterbau mit all seinen Facetten und weitreichenden Risiken in monatelangen Seminaren durch einen »Fortpflanzungsbefähigungsnachweis« erworben werden, ja dann wäre es auf den Entbindungsstationen mucksmäuschenstill.
G.O. /Montagsdichter

01/2018
Geld für Hampelmänner
Die Geldscheine von heute gehören ins Altpapier von morgen. Das ist eine Binsenweisheit. Will man deshalb den Notendruck sparen und das Bargeld abschaffen? Ach woher!, der Grund ist ausgebuffter: Mit Kontogeld werden die Bürger zu wehrlosen Hampelmännern der Finanzlobby und des Staates. Alle anderen Erklärungen sind zu hundert Prozent nur Ablenkungsmanöver.
G.O. /Montagsdichter

11/2017
Börsenhorror
Vor jedem knackigen Aktiencrash, wenn die Kurse nahezu völlig ausgereizt sind, werden bildlich gesprochen, Kulissen mit Bergmotiven vor den Abgrund geschoben. Davor sammeln sich hoch motivierte, mutige Anleger, welche zum Aufstieg rüsten, also ordentlich investieren. Fachmedien und Experten liefern dazu aufmunternde Beiträge. Dann zieht das Großkapital geschwind die Illusionen beiseite und gibt den Leuten, die jetzt verdutzt an der Klippe stehen, unvermittelt den Fußtritt in den Allerwertesten. Zeitgleich werfen oft dieselben Fachmedien und Experten gern steinige Argumente dem Kurssturz hinterher. Steil abwärts geht es für die frischlackierten Aktienbesitzer. Die Arschtreter haben ihre Papiere an sie verkauft und die Scherflein im Trockenen.
Klar, diese Leute kaufen anschließend die zertrümmerten Aktien wiederum billigst ein, und das Spiel beginnt erneut. Daraus wird offenkundig, weshalb die Kurse nach einem Crash kometenhaft wieder ansteigen und keineswegs im Talgrund liegen bleiben. Vielleicht ist aber alles gaaanz anders und nicht so simpel?
G.O. /Montagsdichter

09/2017
Einigkeit und Recht und Freiheit
Einer politischen Bedenkenlosigkeit, der einhellig Protest und Widerstand in der Gemeinschaft entgegenstünde, bedeutete in dieser Situation Einigkeit im Volk, und folgerichtig befände sich das Volk im Recht und letztlich bedeutete es seine Freiheit. Doch Solches wird hierzulande nur in Hymnen besungen.
G.O. /Montagsdichter

07/2017
Schweinescham
Heutzutage hat man sich an die eigenartigsten Umstände zu gewöhnen; Normales erscheint dabei glattweg exotisch. Man denke nur an diese ladenneuen Jeans, welche das modebewusste Publikum zur Zeit deshalb schätzt, weil sie bereits verschlissen, zerfetzt angeboten werden, somit gewollt unappetitlich versifft wirken. Ein Stallknecht hätte sich früher geschämt, in solcher Hose den Schweinen zu begegnen. Aber andererseits kann sich einer mit seiner gepflegten Bügelfaltenhose wie ein Dinosaurier fühlen, dessen konservative Artgenossen ebenfalls das Aussterben vor sich haben.
G.O. /Montagsdichter

05/2017
Grenzen der Kleinkunst
Soeben einen »Kabarettisten« auf 3 SAT erlebt, der Gott auf eine erschreckende Art und Weise als einen alten Volltrottel darstellte. So, als hätte Satan persönlich aus dem Gotteslästerer heraus gegeifert. Das Publikum klatschte begeistert Beifall, wohl unfähig zu erkennen, dass kein schlimmeres Vergehen wider dem All-Geist denkbar ist. Tief betroffen und beschämt sah ich in die lachenden Zuschauergesichter und musste erkennen, dass auch die beiden Kabarettkollegen sich wie Brüder im Geiste amüsierten. Es fehlen dafür einfach die Worte. Der gewaltige Irrtum beruht darauf, anzunehmen, eine atheistische Sicht ließe den Schöpfer verschwinden, doch ist das eine Rechnung ohne den satanischen Wirt, der gerne in die Bresche springt.
G.O. /Montagsdichter

03/2017
Finanzrätsel
Unser Schuldgeld ist leider ungedecktes Papier- oder Kontoguthaben, das auf Versprechungen basiert und nur Bestand hat, solange das grenzenlose Vertrauen in die Finanzelite nicht total erschüttert wird. Außerdem muss es in der Endphase des Systems noch genügend Institutionen und Staaten geben, die sich weiterhin Schulden aufladen wollen und das auch können. Andernfalls bricht ein solches Schuldgeldsystem wie ein Kartenhaus zusammen. Wer auf Werthaltigkeit setzt und sich dem Irrsinn der Täuschung mit Herz und Seele ausliefert - ist was?, liebe Rätselfreunde. Richtig! Denn so dumm kann niemand sein, der das nicht wüsste. Soweit die Theorie. Die Praxis sieht ganz anders aus: Wir sind in diesem weltbewegenden Punkt sozusagen abhängige Volldeppen.
G.O. /Montagsdichter

01/2017
Erziehungsarbeit
Beispiel für ein Programmangebot der Privaten, eines Abends um 20.15 Uhr, welches klar macht, um was es im »Großen und Ganzen« geht. Für alle, die auch Augen haben, das zu erkennen:
Bodyguard Thriller (SAT 1) - Step up 3, Make your Move (PRO 7) - Rizzolie Isles Krimi (VOX) - The Astronaut Wife Thriller (Kabel Eins) - Dr.House (SRTL) - Friends (Disney) - Tatto Shockers Las Vegas (SIXX) - und so weiter.
Und solches Zeugs tagein, tagaus für unsre coolen Girls und Boys. Ein Graus!
G.O. /Montagsdichter

11/2016
Blender
Legt sich ein Fakir aufs Nagelbrett, lassen uns die vielen Nägel mitfühlend erschauern. Doch gerade ihre große Menge trägt den Körper. Wäre die Anzahl zu gering, käme keiner mit heiler Haut vom Brett herunter. Was will uns dies sagen? Fakire sind eben auch nur Blender, wie alle anderen, die wir bereits zur Genüge kennen. Beispiel Schuldgeldsystem: Nicht deshalb, weil so viele Schulden gemacht werden, besteht die Gefahr des Zusammenbruchs, sondern erst, wenn keine Kreditaufnahme mehr möglich ist, kommt das Game over. Der Wert unseres Geldes besteht nur aus Schulden, größtenteils aus äußerst fragwürdigen, uneinbringbaren. Interessant, wie man uns mit einer Werte-Illusion reingelegt hat. Noch interessanter, wie wenige Leute das erkennen!
G.O. /Montagsdichter

09/2016
Großes Kino
Fordert dich der Nachbar wieder einmal mit bösartigen Aufforderungen und Aktionen heraus, dann mache es dir doch bequem auf deiner Terrasse. Stelle dir vor, du säßest im Freilichtkino: Gleich siehst du einen aufregenden 3D-Farbfilm im Superbreitformat, und das kostenlos! Stereokanalton gibt es obendrein. Während du völlig entspannt dem Geschehen folgst, was der Anrainer alles anstellt, wie er außer Fassung gerät, schaufest du ordentlich Popcorn rein, trinkst eiskalt Cola und genießt die Szenerie. Wetten, du freust dich bereits auf die nächste Vorstellung.
G.O. /Montagsdichter

07/2016
Diese Trottel ...
Neulich einen TV-Zweiteiler über knapp drei Stunden hinweg qualvoll ertragen. Am liebsten hätte ich nach fünf Minuten aufgegeben, wäre der Film nicht sehr interessant und exzellent produziert gewesen. Wie das zusammengeht? Der Ton war das Übel! Ein widerliches Hintergrundgetöse, das unbarmherzig in den Vordergrund drängte und den Sprecher mit seiner angenehmen Stimme aggressiv zuschüttete. Wütend war auch meine Frau. Ein Disput begann, ob jetzt durchzuhalten oder abzuschalten sei. Es ging nach meinem Kopf. Ich durchstand alleine die penetranten Lärmattacken mit einer unbändigen Wut im Bauch auf diese Trottel, denen jedes Fingerspitzengefühl für guten Ton fehlt. Diese Trottel mischen ihre Geräuschkompositionen vermehrt in alles, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Sie gönnen einem keine ruhige Sekunde. Sogar die nüchternen Nachrichten eines Sprechers müssen diese Trottel neuerdings mit Klingklang untermischen. Sie bringen mich auf die Palme, diese Trottel! Machen einen zum Affen, wenn man nicht vorher abschaltet.
G.O. /Montagsdichter

05/2016
Cooles Faceing
Der Fahrspaß eines begeisterten Autofahrers besteht bekanntlich darin, selbst hinter dem Lenkrad zu sitzen. Man fragt sich folglich, wer denn das selbstfahrende Auto kaufen soll? Vielleicht erwarten die Planer von den künftigen Nutzern, dass deren Generation schlichtweg zu interesselos für einen Führerschein sein wird - dämlich klingt zu hart - jedenfalls apathisch genug, um auf jede »Freude am Fahren« verzichten zu können. Man wird den Dummies also Passivität als »cooles Faceing« verkaufen (sprich, dumm aus dem Fenster gucken). Das wird wohl klappen! Die dreckig wirkenden, verschlissenen Jeans werden ja auch als »letzter Modeschrei« zu beknackt hohen Ladenpreisen in Massen gekauft.
G.O. /Montagsdichter

03/2016
Denkt immer an Bingo!
Einen forscherischen Versuch ist es wert, die Aussagen und Behauptungen unserer »Leithammel« schlichtweg auf den Kopf zu stellen und - bingo - einfach das Gegenteil davon zu erwägen. Es ist Mal für Mal erstaunlich, wie treffsicher das Verfahren ist. Erklärbar ist es leicht, da die Lüge der Gegensatz von Wahrheit ist, und gelogen wird bekanntlich überall, bis die Nasenspitzen weiß werden. Beispielsweise verspricht die Kanzlerin im Oktober 2015: »Die Steuern werden wegen des Asylantenstromes nicht erhöht!« Bitte etwas Geduld - dann zählt Bingo! Nach drei Monaten bringt der Finanzminister eben zu diesem Zweck eine Erhöhung der Mineralölsteuer ins Gespräch. Wie auch immer die Maßnahme beschlossen wird - Bingo darf man gewiss bald ausrufen! Das Bargeld soll in Deutschland angeblich erhalten bleiben: Denkste! Wenn das Volk nicht kräftig auf den Tisch haut, gilt Bingo!
(Bingo - lt. Duden: Ausruf, der ausdrückt, dass jemandem etwas [überraschend] geglückt ist, dass etwas genau nach Wunsch eingetreten ist)
G.O. /Montagsdichter

01/2016
Die Ahnungslosen
Die Bevölkerung düngt mir als eine volle Kiste kleiner Narren - alle quietschvergnügt, obwohl’s zum Heulen ist - und ich bin mittendrin. Denn da sind ein paar Große, die von außen den Deckel niederdrücken und versuchen ein Schloss anzubringen. Ich möchte dieses Vorstellungsbild als Gemälde aufgefasst wissen, das ins Museum der kostbarsten Werte gehört. Verstanden wird dieses Bild von den Betrachtern leider nur selten, aber unglaublich teuer wird es sein; es kostet unsere bessere Zukunft.
G.O. /Montagsdichter

11/2015
Schon gewusst? Schreihälse bekommen Glücksgefühle!
Es tut denen schließlich gut, ihre Stimmbänder in Schwingungen zu versetzen.
Durch tiefes Atmen werden Herz und Kreislauf angeregt, und außerdem kommt die Produktion von Glückshormonen wie Serotonin in Schwung. Wenn wiedermal einer aus Leibeskräften orgastisch schreit: »Wollt ihr den totalen Krieg, totaler als total?«, dann schreit doch, so laut ihr könnt zurück: »Scheibe - Scheibe - Scheibenkleister - halt dein Maul, du Schweinemeister!« Das täte nicht nur den erregten Schreihälsen gut, sondern gleich dem ganzen Land. Könnte man sich aber in den Machtzirkeln dazu überwinden, seine Botschaften lauthals zu singen, würden sogar die aggressiven Hormone heruntergefahren. Ein Mangel an Testosteron, Adrenalin und Kortisol hätte uns womöglich den Zweiten Weltkrieg erspart? Leider sind Regierungen eben keine Gesangvereine.
G.O. /Montagsdichter

09/2015
Alptraum Urlaubsreise
Wer hätte es für möglich gehalten, wie sehr einem das allseits so beliebte Verreisen auf den Nerv gehen kann? Mittlerweile bin auch ich an diesem Punkt angelangt. Das Reisen selbst mag ja noch Vergnügen bereiten, aber wenn ich nachfolgende Stichpunkte bedenke, erfährt die Vorfreude einen gehörigen Dämpfer, denn zur Reise gehört ja auch das Folgende: Wie hoch ist das Reisebudget? Diskussionen ums Reiseziel, Terminplanung, Urlaubsantrag, Strecken- und Tourenplanung, Maut? Fähren? Mietwagen? Oder - Kataloge wälzen, Preisvergleiche, Buchung, Formalitäten, Fremdwährung tauschen, Impfungen bei Fernreisen, tagelanges Kofferpacken, Anfahrt zum Flughafen - Parken? Die Unterkunft - ein Kapitel für sich! Schlaflose Nächte? Eigenes Kopfkissen! Stechmücken? Chemie oder Rolle Mückengitter! Lärm aus der Bar? Schlaftabletten! Krankheit? Auslandskrankenversicherung! Diebstahl dort - Einbruch zu Hause? Kontaktadressen, alle Telefonnummern! Verständigung? Wörterbuch! Angenehme Nachbarn oder Rüpel? Schönwetter oder Sauwetter? Traumstrand oder Müllhalde? Badewasser oder Dreckbrühe? Gutes Essen oder Fraß? Verdauungsprobleme? Pillen! Sehenswürdigkeiten erkunden! Öffnungszeiten? - Wir standen mal vor verschlossenen Türen der Uffizien in Florenz (weltberühmte Kunstmuseen). Und dann noch die Zugabe: Vor Ort reichlich Ausflüge ins Blaue unternehmen - auch mal etwas weiter - Zwischenübernachtung? Verfluchter Urlaubsstress - aber wenn man schon einmal da ist! Ansichtskarten schreiben! Hinzu kommt die Versorgung der Zimmerpflanzen, das Gartengießen, die Postentnahme, damit der Briefkasten nicht überquillt und dergleichen, dafür muss für die Zeit der Abwesenheit eine Vertrauensperson gewonnen werden. Mitbringsel besorgen! Hat man die Terrassentüre verriegelt, blieb womöglich das Küchenfenster gekippt? Hei-jei-jei! Sicherheitshalber telefonieren! Unterwegs erwartet den Individualurlauber per Automobil eine strapaziöse Fahrt mit ständigen Tributzahlungen: Vignetten, Autobahngebühren, Straßen-, Brücken-, Tunnelmaut, Fährentaxe, Parkgebühren etc. Gibt es Staus? Blockabfertigung? Eine Panne? Autoschutzbrief und Rechtsschutzversicherung! Hoffentlich kein Unfall! Folgt nach all den Strapazen eine stressige Quartiersuche? Ist bei Touren gar noch häufiger Hotelwechsel mit Kofferpacken angesagt? All dies für acht oder vierzehn Urlaubstage - hm, tatsächlich purer Wahnsinn! Wollte ich das nicht freiwillig tun, wie viel würde ich dafür Entschädigung verlangen, wenn ich es denn täte?, frage ich mich allen Ernstes. Es wäre jedenfalls ein schöner Batzen Geld, den ich zum Ausgleich nehmen müsste!
G.O. /Montagsdichter

07/2015
Seil- und Herrschaften
Wenn bei politischen Entscheidern und diversen anderen Leuten die Amtszeit nur auf wenige Jahre beschränkt ist, hat das vermutlich zwei Gründe. Einmal wird dadurch die eigene Verantwortlichkeit abgeschwächt und es hilft, sie zu verschleiern. Im Falle des Falles liegt die Schuld doch immer bei irgendwelchen Vorgängern; das funktioniert nach dem Dominoeffekt - nur mit dem unglaublichen Unterschied: Der aktuell Betroffene selbst bleibt stehen, alle anderen dürfen fallen. Nicht weniger wichtig dürfte natürlich die Postenrotation sein. Sie fördert den Zusammenhalt der Seilschaften, weil damit weitere Pensionen, Einkommen, Abfindungen gesichert sind. Das allseits beliebte
Hilfst-du-mir-helfe-ich-dir feiert rund um die Uhr seine urigen Umstände. Oder täuscht sich da ein kopfschüttelnder Zaungast am Gehege der großen Tiere?
G.O. /Montagsdichter


05/2015
Das Schreibgenie
Sein Wortschatz ist derart ungewöhnlich, dass Leser den Text meist nur unvollständig verstehen können. Und erst sein Satzbau! Genial konstruiert, als beträte man ein Labyrinth, aus dem es, über Monstersätze hinweg, fast aussichtslos scheint, ohne Anstrengung, also beispielweise nur durch wiederholtes Lesen und mit großem Glück, wieder den Ausgang zu finden. Zur Demonstration seiner Sprachkenntnisse pflegte er ganze Passagen mal in Französisch, mal in Englisch einzustreuen oder je nach Gusto eine Prise Griechisch, Latein, auch Spanisch - ein Muss für ihn, wie das Abortgehen. Wer kennt das Genie? Man munkelt, es sei längst tot. Andere könnten beschwören, es erfreue sich bester Gesundheit und Reputation.
G.O. /Montagsdichter

03/2015
Zwei beunruhigende Foreneinträge zum Thema Bargeldabschaffung:
Zitat: Hinweis in der Offenbarung 13, 16-17 -
»... und es macht, dass sie allesamt, die Kleinen und Großen, die Reichen und Armen, die Freien und Sklaven, sich ein Zeichen machen an ihre rechte Hand oder an ihre Stirn und dass niemand kaufen oder verkaufen kann, wenn er nicht das Zeichen hat, nämlich den Namen des Tieres oder die Zahl seines Namens«.
Aufgrund der aktuellen Entwicklung und der heutigen technischen Möglichkeiten sind wir nicht mehr weit davon entfernt.
Zitat Ende. (Mit »dem Tier« ist allegorisch die satanische Macht gemeint, Anmerkung v. Verfasser)
Dazu ein Leserkommentar:
Zitat: Der Schreiber hat vollkommen recht. Wenn man die heutigen Strichcodes auf jeder Ware, die man im Laden kaufen kann, betrachtet. Da bemerkt man, dass der Code am Anfang, in der Mitte und am Ende zwei Striche hat. Umgerechnet von binär ins Dezimalsystem, sind die zwei Striche die Zahl 6, also 666. Und das ist die genannte »Zahl des Tieres«.
Ab 2016 soll in Europa jeder gechipt werden. Dann hat man das Ding mit der Zahl im Körper. Selbst Babys sollen direkt nach der Geburt gechipt werden. Auf die Frage der Politiker an die Entwickler, wie der Chip funktioniert, kam die Antwort: »Er arbeitet mit einem Thermodynamo, der den Mini-Akku durch Temperaturschwankung auflädt.« Und Messungen haben ergeben, dass die größten Temperaturschwankungen an der Hand und an der Stirn gemessen wurden. BINGO.

Zitat Ende.
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, was dies für die Zukunft der meisten Menschen bedeuten wird: totale Abhängigkeit von den Herrschenden - Versklavung!
G.O. /Montagsdichter

01/2015
Heiratsmarkt
Für einhundertsechzig Debütantenpaare im Alter zwischen siebzehn und vierundzwanzig Jahren wird alljährlich der berühmteste Ball der Welt ausgerichtet: der Wiener Opernball. Die sechstausend Besucher - fünfzig Prozent davon kommen aus dem Ausland - zahlen 250 Euro Eintritt. Ein kleiner Tischanteil kostet 350 Euro und eine Loge 18.500 Euro. Das Frankfurter Würstel schlägt mit 9,50 Euro zu Buche. Ein Debütant muss sich selbstverständlich stil- und standesgemäß einkleiden mit Frack, weißer Fliege und schwarzen Lackschuhen, und als Antrittsgeld hat dieser 1.000 Euro zu entrichten. Vor dem Auftritt ist Benimmtraining, ein Tanzkurs und zeremonielle Schulung angesagt. Wer sich jetzt fragt, wie lange solche alten und kostspieligen Zöpfe noch Bestand haben werden, kann ernüchternd aufgeklärt werden: Es werden dort Interessen und Geld verheiratet. Folglich hat diese Einrichtung Fortbestand, solange es Solches in entsprechenden Mengen zu vermählen gibt. (Zeitstempel: Mitte Februar 2012)
G.O. /Montagsdichter

11/14
Rentnerzeit - knappe Zeit!
Eine besondere Belastung im zunehmenden Alter sehe ich darin, nicht mehr Schritt zu halten mit meinen selbst auferlegten Vorsätzen. Als Rentner hätte man doch wahrlich genügend Zeit, alles das zu tun, was für diese Lebensphase eingeplant war, so scheint es.
Nun stellt sich immer mehr heraus, dass die ursprüngliche Planung ganz schnell von aktuellen Vorgängen verdrängt wird und ich mich gleichzeitig immer stärker verzettle. Auch die Geschwindigkeit bei der Bewältigung gestattet keinen Vergleich mit früheren Erfahrungen - von der nötigen Geduld ganz zu schweigen. Aber mein stures Festhalten an diesem und jenem verhindert geradezu die rasche Bewältigung. Anstatt einfach Ballast abzuwerfen, um gewonnenen Freiraum sinnvoller zu nützen, steigert man also sein schlechtes Gewissen bis zum Unwohlsein. Einmal, weil die Vorsatz- und Aufgabenliste immer länger wird, aber doch nur sehr wenig vorangeht. Andererseits, weil der Zeitrahmen gleichzeitig schrumpft und sich der Vorgeschmack von trister Vergeblichkeit, ja schlimmer noch, Sinnlosigkeit einstellt. Es wird nach dieser Erkenntnis hoffentlich nicht mehr lange dauern, bis ich mich dazu durchringe, endlich den Rotstift anzusetzen und alles streiche, was mich an die Kette zu legen versucht.
Ist es denn notwendig, eine aufwendige Website zu unterhalten - für nichts und die Katz? Muss ich des Computers gehorsamster Untertan, samt seinen Programmen, bis an den Grabesrand sein? Soll ich mir meine Gedankenwelt mit Abertausenden Softwarefunktionen zumüllen, etwa aus PC-Programmen wie Office, Bildbearbeitung, Desktoppublishing oder gar noch aus dem neuen Musikstudio, was allein wohl schon ein Lebensjahr Einarbeitung bedeutet? Das Softwarezeug lagert bereits auf Halde und wartet täglich auf Einsatz!
Reicht es nicht aus, mich auf vorhandene Gerätschaften und ihre technischen Finessen zu beschränken? Also allernötigstes Handbuchstudium zu betreiben - sprich: nur das unbedingte Verständnis zu entwickeln für die technischen Funktionen im bunten Besitzeralltag? Na, was gibt es da schon? Auto, Handy, Drahtlostelefon, TV, SAT-Receiver, Video, Stereoanlage, Digitalkamera, digitales Musikinstrument, die kluge Heizungselektronik mit ihren Steuerungskurven für Neigung und Steilheit. Auch ein Kaffeeautomat, die Herdelektronik und die des Kühlschrankes mit Abtaufunktion wollen durchschaut sein. Der PC, das Notebook, der Drucker, die WLAN-Box - ha, will das denn - ohne Faxen - gar kein Ende nehmen? Die eigene Frau quält einen noch mit den Zicken ihrer elektronisch gesteuerten Nähmaschine oder wegen eines spinnenden Staubsaugers, einer funkfaulen Wetterstation.
Und wäre das alles nicht genug, lauten die nahezu heilig geltenden Verbrauchergebote: Habe nicht nur alles, sei auch immer up to date! Tausche technisch Überholtes sofort gegen Neues aus, das Alte sowieso. Und zum gründlichen Einprägen auch noch das Hauptanliegen von Papa Staat samt seiner Melkwirtschaft, an seinen Bürger im Laufrad: »Steuer-Dummi, kaufe, investiere, bleib am Ball, allzeit auf dem Laufenden!« Die bildliche Vorstellung dieser Szene macht mich närrisch. Jemand, der in solchermaßen erbärmliche Abhängigkeit reingeschlittert ist, möchte allen einen guten ehrlichen Rat geben, vor allem den jüngeren Jahrgängen. Er lautet schlicht:
Wehret den Anfängen, sonst ist es immer zu spät! Jedes technische Lustteil, welches ihr anschafft, bindet euch, und seid ihr schließlich gefesselt, gibt es kein Entrinnen.
G.O. /Montagsdichter

09/14
Götzendienst
Seht doch! Wie unzähliges Volk in endloser Prozession dem Mammon mit heftig pochendem Herzen folgt, truhenweise Geld und glitzernden Tand mitschleppt. Wie einzelne Steinreiche als verkörperte Götzen gefeiert, geehrt werden; und dabei verrinnt unaufhaltsam die Bewährungszeit der Kreaturen, nimmt das Leben mitleidlos seinen Lauf ...
GO /Montagsdichter

07/14
Total vernetzt
Jemandem zugehört, wie er begeistert von Netzwerken als einem Allheilmittel schwärmte und dabei ihre Struktur bewunderte, die im funktionellen Sinne ja gewissermaßen dem menschlichen Gehirn entspräche, sodass er sich zur Behauptung verstieg, Netzwerke wären gewiss die Lösung für so gut wie jedes Problem, welches es auf dieser Erde gemeinschaftlich zu lösen gäbe. Allein die Vorstellung von einer weltweiten innigsten Vernetzung, allüberall, und gegen jede Vernunft missbrauchbar, lässt mich, den Zuschauer, bleischwer werden, und erst wenn der Schwärmer wieder aus dem TV-Gerät ist, stellt sich nach solcher Beklemmung zaghaft die Leichtigkeit des Seins wieder ein. Eine dumpfe Ahnung beschleicht das Gefühl, dass Vernetzung zwar wundervoll bindet, aber uns niemals freimachen kann. »Fliehet der Vernetzung, solange es noch geht!«, rät es aus dem Bauch heraus. »Hat der Mann vielleicht recht?«, meldet sich zaghaft zweifelnd der Verstand.
GO /Montagsdichter

06/14
Himmlische Offerte
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steht göttlicher Geist zu Diensten:
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Bedenke: Du wirst umgerüstet.
Von Hinterhältigkeit befreit,
steht Wahrhaftigkeit bereit.

Hast du entschieden,
trägt der Geist dich zu Siegen.
Ruf ihn herbei,
sein Dienst ist kostenfrei!
G.O. /Montagsdichter

04/14
»Amerika kennenlernen!«
So warb neulich ein Reiseveranstalter und förderte prompt bei mir eine Kindheitserinnerung zutage. Damals fragte mich ein Halbwüchsiger, ob ich denn schnell mal Amerika sehen möchte? Klar doch - au ja! Ich sollte mich mit dem Rücken vor den Kraftmeier stellen. Dann ging der in die Hocke, quasselte mir die Ohren voll, drehte mich wichtigtuerisch hin und her, schließlich westwärts in Richtung Atlantik, quetschte mir die Ohren zwischen seinen Handflächen und ab ging es! Beim Aufrichten verwandelte sich der Kopfdruck in heftigen Schmerz, der sich bis in die Zehen hinunter verirrte. Doch gleich schaute der Dreikäsehoch, schmerzhaft eingeklemmt zwischen die ausgestreckten Arme und hoch emporgehoben, hilflos herumbaumelnd, dieses fremde Amerika mit nachhaltigen Gefühlen und war heilfroh, seinen Ausguck verlassend, wieder auf heimatlichen Boden zu stehen. Noch heute scheint in mir diese Erfahrung unbewusst nachzuwirken, da jedwede Aufforderung, diverse Länder kennenzulernen, bei mir nur wenig Anreiz verspüren lässt - selbst dann, wenn ich den vordergründigen Gedanken ans liebe Geld einmal ausblende. Natürlich wäre es gerade von der Kostenseite her und kaltblütig sarkastisch betrachtet, gar nicht so übel, auch unseren Kleinen einmal auf diese Art ein exotisches Land zu zeigen, doch ich befürchte, die waren bereits mit dem Flieger dort.
GO /Montagsdichter

02/14
Eigentor
Skrupellos verschaukelt der Mitarbeiter seine Kunden: »Chef, wir sollten zehn Prozent weniger in die Packung geben, aber natürlich Größe und Preis beibehalten! Das spart Ihnen viel Geld.« Darauf der Chef: »Ja, das machen wir, doch wir werden noch mehr tun: Wir entlassen zehn Prozent unserer Belegschaft, das macht uns unschlagbar im rauen Wettbewerb. Übrigens, Meier, Sie müssen dazu Ihren Beitrag leisten!«
GO /Montagsdichter

12/13
Die Freiheit der Mitläufer
Ist eine Institution gegen dich, bleibt es dir unbenommen, trotzdem für sie zu sein. Ist das nicht Freiheit genug? Beispielsweise kannst du eine heldenhafte Gesinnung dem Staate gegenüber hegen, der dich als seinen Sklaven ansieht, dem du mit Haut und Haaren zu dienen hast, in guten, noch mehr in schlechten Zeiten. Auch kannst du unbeirrbar und obrigkeitsgläubig der Kirche anhängen, die dich verdammt und zur Hölle schickt, falls du nicht nach deren Dogmenpfeife tanzen willst. Bist du aber aufsässig - psst! Halte besser den Mund, denke es dir; nur sehr Mutige werden empfehlen: Mach was daraus!
GO /Montagsdichter

11/13
Herkunftsfrage
Weiß ich schon nicht, wer ich bin, wüsste ich doch zu gerne, woher ich komme. Nein, nein, ich fühle mich nicht krank! Die meisten, die ich kenne, stellen sich diese Frage nicht, weil sie es schlicht wissen: Beispielsweise heißen sie Müller, arbeiten bei Siemens und kommen aus Mutters Bauch.
GO /Montagsdichter

10/13
Floh im Ohr
So winzig wird das Hörgerät der Zukunft sein, dass man es mit bloßem Auge gar nicht mehr sehen kann, und die schwerhörige Dame wird sagen können: »Mein HNO-Arzt hat mir einen Floh ins Ohr gesetzt!« Gespannt darauf, der Ehemann:
»Na, dann lasse ihn mal sehen!«
»Wie bitte ...?«
»Wo ist der Floh denn? Lasse ihn mal sehen«, schreit er ihr ins Ohr.
»Ach, wir können uns das nicht leisten ...«
GO /Montagsdichter

09/13
Geheimnisträger
Geheimnistuerei und Geheimbünde sind etwas, das grell beleuchtet und offengelegt gehört. Liegt die Sache im Argen, könnte einer solchen Bande leichter das Handwerk gelegt werden, und handelt es sich um Nützliches, warum sollten die fabelhaften Ideen der Geheimnisträger und ihr Wissen nicht der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden? Wer dieses offene Geheimnis kennt, weiß natürlich, dass Geheimniskrämerei vor allem angesagt ist, um anderen unerkannt zu schaden. Weshalb denn sonst?
GO /Montagsdichter

08/13
»Swimming in the shit«
Das gilt zunehmend und ganz konkret für die beliebten Urlaubsküsten, und im übertragenen Sinne kann es die künftige Situation der Menschheit bezeichnen, wenn sie nur so weitermacht wie bisher. Womöglich wird unsere Wiedergeburt für gerechten Ausgleich sorgen, indem auch ausgebadet wird, was angerichtet wurde.
GO /Montagsdichter

07/13
Scheinreich
Das politische Anliegen des reinrassigen Sozialisten dürfte sein, einen jeden Genossen zum Millionär zu machen, ob er will oder nicht, also, inflatorisch gesehen, zum Pleitegenossen. Aber die Kapitalisten schaffen das wieder einmal eher, schließlich gehört denen die Bank samt Gelddruckautomaten. Den Sozialisten gehört nur das arme Volk.
GO /Montagsdichter

06/13
Unmenschen
Sind das wirklich Menschen, über die ich schlimme Geschichten erfahre? Kreaturen, die Wand an Wand in Zwistigkeit leben, sich bekämpfen? Tragische Umstände seien es halt, wenn Hass und Böswilligkeit Lämmchen in pure Ungeheuer wandeln. Arglos blickt der Spaziergänger in die gepflegten Vorgärten der Bestien und verkennt gründlich die vermeintlich braven Bürger; aber auch er selbst sollte seiner Verwandlung nie ganz sicher sein!
G.O. /Montagsdichter

05/13
Gar nicht so zimperlich ...
Auch der Zimperliche hat seine Stärken; bist du an den Richtigen geraten und hast du ihm den Rücken gewandt, schlägt er mit allem, was er noch über den Scheitel heben kann, brachial auf dich ein. Da er schlau vermeidet, erkannt zu werden, traut ihm das niemand zu. Also traut man den Zimperlichen ohne Argwohn über den Weg. Klar, es geht nicht um körperliche Hiebe, gemeint ist jeder hinterlistige Angriff. Übrigens beherrscht der Zimperliche auch den Angriff im Rottenverband, bildhaft »Sack über den Kopf - und draufschlagen«, wenn er sich unter seinesgleichen weiß.
G.O. /Montagsdichter

04/13
Konsumentenverwirrung
Weißt du, wie viel Sternlein stehen ...? Diese Volksweise hat ausgedient! Heute singen die Verbraucher ein anderes Lied: Weißt du denn, wie viele Staubsaugermodelle es gibt und Saugerbeutel? Wie viele Drucker und Patronen auf der Welt? Wie viele Handys und Vertragsvarianten wohl im Umlauf sind? Überhaupt: Wie viel, wie viele, wie vieles steht unübersehbar im Regal? Niemand hat es je gezählet - unzählig, unendlich ihre Zahl. Klar! Eine gezielte Strategie der Industrie: Der Verbraucher darf nicht mehr durchblicken; einfache Preisvergleiche müssen unterbunden werden. Und für die Verkaufsstrategen ist es wirklich kein Geheimnis: Das Modell mit seiner Artikelbezeichnung von heute ist ja bereits der
Schrott von morgen, und die Ware mit neuer Kennzeichnung, sprich: der alte Wein in neuen Schläuchen, ist bereits vom Handel geordert.
G.O. /Montagsdichter

03/13
Falsches Weltbild abzugeben
Neuerdings besitze ich nun zwei Weltbilder, von denen ich gleichermaßen überzeugt wie ratlos sein muss, da ja eines davon richtig sein wird. Also, die Frage bleibt: Lebe ich nun auf der Außenseite unserer Erdkugel oder befinde ich mich auf der Innenseite einer Hohlkugelerde, gemäß der durchaus plausiblen Hohlwelttheorie, welche sich nicht minder abenteuerlich zur Vollkugeltheorie verhält. Glücklicherweise kann ich mit beiden Annahmen zufrieden leben, und faszinierend sind solche Alternativen allemal.
Auf der Webseite von Rolf Keppler, angeblich ein Nachfahre des weltbekannten Astronomen, entnahm ich nachstehendes Zitat von Prof. Sextl:
»Etwa ein bis zwei Stunden dauert üblicherweise dieser Dialog, mit dem alle Einwände der Studenten gegen das neue Weltbild widerlegt werden können. Die Stimmung im Hörsaal schwankt zwischen Resignation und Empörung. Jahrelanges Physikstudium ermöglicht es nicht, eine derartig sinnlos erscheinende Behauptung wie die Hohlwelttheorie in wenigen Minuten aus empirischen Gründen auszuschließen. Alles, was bisher als Beweis der kopernikanischen Theorie erschien, wird nunmehr zum Beweis der Hohlwelttheorie. Wenn es richtig ist, dass das übliche Weltbild der Physik experimentell bewiesen ist, so haben die gleichen Experimente nunmehr auch die Hohlwelttheorie bewiesen. Das empiristische Weltbild, das dem Studenten der Physik durch seine Arbeit in den Praktika und Laboratorien gleichsam in Fleisch und Blut übergegangen ist, gerät ins Wanken. Wenn Theorien auf Experimente aufgebaut sind und aus Experimenten folgen, so folgt aus den gleichen Experimenten plötzlich auch die Hohlwelttheorie.«
G.O. /Montagsdichter

02/13
Stützen des Staates
Unter dem schweren Dach eines Staates erfordern die hohen Pfeiler von Ordnung und Gewalt haltgebende Stützen im Volk, ähnlich, wie auch die aufstrebenden Säulen gotischer Bauwerke ihre Abstützung im seitlichen Fundament des Bodes benötigen.
Ohne sie stürzten Bauwerk und jede Ordnung in sich zusammen. Gefährlich wird es für das Volk, wenn destruktive Kräfte die Machthebel bedienen. Aber erst deren Spitzel und gesteuerte Mitläufer im Volke geben einem Polizeistaat, einer Diktatur Basis und Halt. Immer waren es nämlich die anscheinend so harmlosen, unbedeutenden Rädchen im Räderwerk der Staatsmacht, welche das anfangs noch kleine Übel zum großen Übel werden ließen.
G.O. /Montagsdichter

01/13
Wegwerfgesellschaft
Zur Hälfte abgespitzte Bleistifte beschweren bereits das Schreiben, da ihnen die Hand nur noch wenig Führung geben kann. Leider scheint mir die Bleistiftverlängerung ein Utensil aus längst verflossener Zeit zu sein: »Was ist das denn?«, werde ich im Schreibwarengeschäft teils leicht von oben herab, teils mitleidig gefragt. Auch daran merke ich, wie dinosaurierartig ich doch inzwischen sein muss. Die taktische Regel, warum so etwas nicht mehr angeboten wird, kann ich mir denken: Man werfe halbe Bleistifte gefälligst weg und kaufe neue! Gleichbedeutend einer fünfzig Prozent höheren Umsatzerwartung im Segment Bleistifte.
G.O. /Montagsdichter

12/12
Zeitenwende
Der Mensch ist urteils- und lernfähig: Er kann sehr wohl Gutes und Böses unterscheiden, vor allem wenn es ihm selbst widerfährt, und besonders einprägsam sind schlechte Erfahrungen. So gesehen wird einmal die Zeit kommen, wann das Böse samt seinen Beweggründen durchschaut wird und die Menschheit sich allmählich aus Überzeugung hin zum Guten orientiert. Diese Welt wird eine völlig andere sein, als wir sie kennen, getragen von verständnisvollen, zugeneigten Menschen. Von da ist es dann nicht mehr allzu weit zu einer lichteren, feinstofflicheren Evolution des Menschen und seiner geistigen Zeitenwende.
G.O. /Montagsdichter

11/12
Zuschläger
Vor nicht allzu langer Zeit hatten Lehrkräfte ihre Schüler noch mittels einschlägiger Argumente zum Lernen animiert. Heutzutage scheint es, als hätten Schläger und Chaoten diese einprägsame Methode abgeschaut und bei Demos und in den Fußballstadien übernommen. Wer je einmal auf diese Weise nachhaltig überzeugt wurde, könnte versucht sein, die gleichen Argumente vielleicht eines Tages auch seinen Mitmenschen einzubläuen, falls sie sich unwillig zeigen. Doch wie man sieht, funktioniert Handgreifliches auch ohne Grund; macht es den Schlägern vielleicht Spaß?
G.O. /Montagsdichter

10/12
Tricksen und Täuschen
Immer enttäuschend, wenn aus der Zunft der Lenker Scheinlösungen kommen, die sich als gedankliche Hütchenspielertricks herausstellen. Sie entspringen nicht einem ehrlichen Bemühen in der Sache, sondern werden windiger Effekthascherei zuliebe eingeredet oder gar aus Eigennutz. Absurd, abstrus verkauft sich gut - Mensch, wo bleibt die Bürgerwut?
G.O. /Montagsdichter

09/12
Diktatorische Kräfte?
Auf Biegen und Brechen angelegtes Verhalten hat nicht die leiseste Eigenschaft, vorzeitig zu einem guten Ende zu kommen. Vielmehr führt es zur Zerstörung: Im Falle eines Krieges sind das Tote und Ruinen. Und beim vorsätzlichen Volksbetrug durch ungezügeltes Gelddrucken der Zentralbanken wird eben die wirtschaftliche Basis des Bürgers, das Finanzsystem, und in der Folge wahrscheinlich auch die Wirtschaft des Landes ruiniert.
G.O. /Montagsdichter

08/12
Leistungspolitik - ein schlimmer Traum!
Im Bundestag sitzen nur noch wenige zugehörige Leute; es sind dies die Pressesprecher der Fachgremien, die werktäglich den Medien und dem interessierten Publikum Rede und Antwort stehen, das nun die leeren Sitze der ehemaligen Parlamentarier einnimmt. Auch konstruktive Vorschläge von den Besuchern werden gerne entgegengenommen. Die Mitglieder der Fachgremien selbst haben keine Zeit für Scheindebatten, sie arbeiten unter Hochdruck an den zugeteilten Aufgaben, teilweise auch außerhalb Berlins, schon weil ihre Entlohnung leistungsorientiert und zugleich außergewöhnlich lukrativ ist. Die Mitarbeiter rekrutieren sich projektbezogen aus den besten Fachleuten und Spezialisten des Landes. Hat die Leistungsregierung das Ziel abgesteckt, arbeitet das eingesetzte Team eng und politisch völlig unabhängig an einer termingerechten Lösung. Wurde die Aufgabe erfolgreich bewältigt, berichten anschließend die neutralen Medien ausführlich - und dies mit großer Resonanz im Volke. Die Beteiligten erfahren auf diese Weise große Anerkennung und Respekt. Da es keine Parteien gibt, nimmt die Bevölkerung zunehmend Anteil am Fortschritt ihres Landes, auch an den schwierigsten Problemen, und gibt aktiven Ansporn. Im Computerzeitalter ist es möglich, kurzfristig Abstimmungen zu den unterschiedlichsten Fragen einzuholen, was der Leistungsregierung den nötigen Rückhalt gibt. Auch die Regierungsmannschaft unterliegt dem Erfolgszwang, da sie binnen Jahresfrist ausgetauscht werden kann, falls mangelhafte Ergebnisse eine Abstimmung erzwingen. Das neue System erweist sich als außerordentlich flexibel, schnell in der Aufgabenbewältigung und erstaunlich wirtschaftlich, trotz der enormen Erfolgsprämien. Die Erfolge sind unübersehbar im Lande. Es gilt als eine Ehre, in ein Leistungsteam berufen zu werden, gleichwohl es auch nur eine kurze Zeitspanne sein mag. Das Interesse im Volk für Leistungspolitik erfreut sich größter Beliebtheit und hat sogar den Fußball übertrumpft - da bin ich aufgewacht. Das Schlimme daran, mich zu erinnern, wie alles in Wirklichkeit ist.
G.O. /Montagsdichter

07/12
Alternativlos
Nicht nur Politikern fällt es in der Stunde der Entscheidung schwer, kurzentschlossen das kleinere Übel zu wählen. Die Verantwortlichen zögern lieber die Stunde der Wahrheit so lange wie möglich hinaus, bis sie dann sozusagen alternativlos das größere Übel in Kauf nehmen müssen und beklagen rührselig das unausweichliche Desaster, welches natürlich
unverschuldet folgen wird.
G.O. /Montagsdichter

06/12
Gewinne mit dem Schieberegler
Mit dem Computer macht es beispielsweise keine Probleme, mein Klavierspiel, welches ich sehr langsam per MIDI aufgenommen habe, so rasant im Tempo zu steigern, dass kein Klaviervirtuose der Welt diese Geschwindigkeit in Echtzeit erreichen könnte. Fein, so wird der Stümper zum Genie! Ja, man kann sogar ein Stück von fünf Minuten Länge mit dem Schieberegler der Software auf ein paar Sekunden zusammenraffen - das tun, weil’s reimt, nur Affen. Übrigens, legen etwa nicht auch tastaturvertraute Manager ihre Gewinnziele mit dem Schieberegler von Planungs- und Finanzsoftware fest? Toll, was da rauskommt, wenn man dran herumspielt ... für die Zielvorgabe reicht es allemal.
G.O. /Montagsdichter


05/12
Hochleistungsquasseler
Dieser Verbandsfunktionär in der Diskussionsrunde war atemberaubend im Sinne des Wortes! Einmal angesprochen, reagierte er wie ein Automat, der nur mit Mühe der übrigen Teilnehmer wieder abzustellen war. Text, wie aus der Pistole geschossen - ein echter Hochleistungsquasseler! Beeindruckend war keineswegs das, was er abspulte, dem war ja kaum zu folgen, eher war es die Geschwindigkeit und Nahtlosigkeit seiner Rede. Hinterher musste man sich tatsächlich fragen, wie er dabei atmen konnte und woher er denn die Luft nahm? Was er vertrat, ist schwer zu sagen, jedenfalls hartnäckigst die Interessen seines Verbandes.
G.O. /Montagsdichter

04/12
Meine Schuld, meine übergroße Schuld
Mit viel Zeitaufwand pflege ich regelmäßig die Festplatte meines Computers. Monatlich lasse ich sie defragmentieren, also ordnen, führe auch Scan Disc aus, eine Fahndung nach fehlerhaften Sektoren, sowie einen Virus Scan, um möglichen Schädlingen den Garaus zu machen. Obendrein gönne ich dem Datenspeicher einen Reinigungslauf, der sie von Datenmüll befreit. Und was tue ich Entsprechendes für meinen Geist? Nichts bis wenig! Was versäume ich dadurch? Viel bis alles! Mea culpa, mea maxima culpa.
G.O. /Montagsdichter

03/12
Armes Deutschland
Die wenigen leistungsfähigen Länder der EU, welche nun bereitwillig immer größere Rettungsschirme gegen die bevorstehende Finanzkatastrophe verleihen, werden selbst ungeschützt im Unwetter stehen. Aber niemand sollte Gegenhilfe erwarten, wenn die Retter sie nötig hätten - ganz im Gegenteil: Die Schadenfreude wird grenzenlos im wahren Sinn des Wortes sein! Und unsere verantwortlichen Schirmverleiher werden rechtzeitig in sonnige, regenarme, vor allem sichere Regionen verzogen sein.
G.O. /Montagsdichter

02/12
Verwirrungen
Falls unser Innenleben, bildlich gesprochen, dem gigantischen Kabelsalat hinter manchem Schreibtisch ähnelt, angerichtet durch Netzteile, Adapter, Drucker, Telefon- und Computerschnickschnack, dann besteht die einzige Chance auf Besserung nur darin, den Wirrwarr von Meinung und Überzeugung schnellstens aus dem Hirnstübchen hinauszuwerfen und von vorne zu beginnen, wieder Fragen zu stellen, wohin und warum etwas dorthin gehört.
G.O. /Montagsdichter

01/12
Tüchtig eingeheizt
Der Hausbesitzer erwacht aus seinem Albtraum. In jenes düstere mittelalterliche Schuldnerverlies war er geworfen worden, welches er neulich in Nürnberg besichtigt hatte. Er konnte nämlich seine Heizölrechnung nicht mehr bezahlen. Alle Umstände, seine Angst und der Schrecken waren ja so realistisch, deswegen liegt er jetzt schweißgebadet in seinem Bett. Verwirrt ruft er sich den aktuellen Benzinpreis in Erinnerung, und als der sich mit nur einem Euro fünfzig zurückmeldet, lächelt er erleichtert. Noch ist es nicht so weit! Und schon ist er wieder zuversichtlich und haut freudig mit der flachen Hand aufs Federbett.
GO /Montagsdichter

12/11
Gehorsamst untertan
Wolfgang Amadeus Mozart überwand sich in einem Brief an seinem Arbeitgeber, dem Fürstbischof von Salzburg mit folgenden Worten:
Ihro Hochfürstlich Gnaden!
Hochwürdigster des Heiligen Römischen Reichs Fürst! Gnädigster Landesfürst und Herr Herr! Euer Hochfürstlich Gnaden ...
Nach dem eigentlichen kurzen Gesuch um Arbeit schloss das unvergessliche Genie mit den Worten:
... dahin, als zu all andern Höchsten Hulden und Gnaden mich in tiefster Untertänigkeit empfehle
Euer Hochfürstlich Gnaden
meines gnädigsten Landesfürsten
und Herrn Herrn
untertänigster und gehorsamster
Wolfgang Amadé Mozart.
Daraufhin erfüllt der Fürstbischof Mozarts Bitte und stellt ihn wieder als Konzertmeister ein.
Zumindest nach 220 Jahren sieht man kristallklar, welch riesige, verschnörkelte Armleuchter das doch waren, die sich solche Floskeln ausbaten und gefallen ließen.
G.O. /Montagsdichter

11/11
Wir alle sind Geher
Die einen gehen ahnungslos ihrem Glück entgegen, die anderen rennen gar ins Verderben. Einige gehen Wege, um zu herrschen, andere gehen zum Dienst. Man kann zur Wirtschaft gehen, aber auch in sie hinein. Jene, die ins Metall gehen, laufen auf der Straße neben denen, die ins Papier gehen, und man sieht es diesen Gehern nicht einmal an. Doch am Ende nimmt ein jeder denselben Weg und geht dahin. Die Frage bleibt: Quo vadis - wohin gehst du?
G.O. /Montagsdichter

10/11
Gegeneinander, anstatt miteinander
Heute wieder einmal gegenläufigen Wolkenzug beobachtet: Die obere Wolkenschicht wandert von West nach Ost, während gleichzeitig eine Unterschicht von Wolken entgegengesetzt zieht. Als wetterfühligen Zeitgenossen stehen mir ja ärztlich anerkannter Maßen etwaige Missempfindungen zu, einschließlich Kopfschmerzen. Übrigens - ein ähnliches Unbehagen stellt sich gelegentlich auch ein, wenn ich die gesellschaftliche Oberschicht zur gegenläufigen Unterschicht beobachte. Steht eigentlich solches Unwohlsein dem braven Staatsbürger überhaupt zu?
GO /Montagsdichter

09/11
Warenfluss - wie lange noch?
Die USA stellen mit ihrer Weltleitwährung reichlich Papier bereit und Deutschland und andere »Exportweltmeister« sorgen für den Warenfluss nach Amerika und in alle Welt. Wer dabei schließlich den Kürzeren ziehen wird, scheint unsere Wirtschaftsexperten bislang nicht zu kümmern. Noch bejubeln sie jeden realen Großauftrag gegen illusorisches Papier, das längst seinen inneren Wert verloren hat. »Wer ist am Ende der Gelackmeierte?«, fragt sich selbst der Optimist im Lande.
GO /Montagsdichter

08/11
Klopapier?
Man kann es drehen und wenden, wie man will: Nachstehende Lesermeinung aus der Schweiz ist an Sachverstand nicht zu überbieten - Sommer 2011:
"Der US-Dollar ist Klopapier. Der Euro ist gedeckt mit US-Dollar und ist zweilagiges Klopapier. Der Schweizer Franken ist gedeckt durch Euro und US-Dollar und ist demnach dreilagiges Klopapier". Und auch dieses Häppchen zum Euro hat es in sich: "Wie aus einer Einheitswährung eine Einheizwährung wird ..."
GO /Montagsdichter

07/11
Scheinwelten
Die staatlichen Pensionsverpflichtungen sind das Damoklesschwert, das die Verantwortlichen diskret unter dem Schuldenmantel tragen, weil damit künftig die Geldsäckel der Bevölkerung aufgeschlitzt werden müssen. (Etwa zusätzlich das Drei- bis Vierfache der veröffentlichten enormen Staatsschuld?) In dieser Situation wird das Gerede von einem der reichsten Länder der Welt zum blanken Hohn für das arme Deutschland! Nur der hemmungslose Einsatz der Gelddruckautomaten kann letztlich die fehlenden Scheinberge wieder am unheilvollen Horizont erscheinen lassen, und mit den Bergen wachsen, wie immer in dieser Situation, die Nullen auf den Scheinen und die Not und Armut im Lande, während sich der Staat seiner Schulden entledigt.
GO /Montagsdichter

05/11
Geld aus dem Zylinder
Als ich erfuhr, was der harmlose Service für meinen 50-ccm-Vespa-Roller kosten solle, suchte ich festen Halt an der Servicetheke, versuchte dann den Preis zu drücken, indem ich erwähnte, dass in verschiedenen Baumärkten neue Roller beinahe zum Preis dieser schockierenden Servicekosten zu haben sind. Die Antwort des Kundendienstlers: »Kauft doch das Gelump, dann werden euch bald die Augen aufgehen, dass es eines ist ... Wir haben jedenfalls nichts zu verschenken!« Ich habe mich dann woanders zum halben Preis in mein Schicksal gefügt. Interessanterweise verlangte die Kfz-Werkstatt für meinen letzten Pkw-Kundendienst einen Stundensatz von 63,20 Euro: Alles in allem 825 Euro für einen normalen 60000-er-Service, eine Menge Zaster für einen kerngesunden Koreaner, vor allem in DM umgerechnet. Auch der Mofa- und Rollerbetrieb nimmt 64 Euro. Der Meister wurde dabei nicht einmal rot, aber ich sah tatsächlich einige Mofas und Fahrräder im Hof, die waren es!
GO /Montagsdichter

04/11
Finanz-Doping
Wer ohne Rücksicht auf Moral und Risiko Doping betreibt, der weiß, was er tut. Auch die Sippschaft, welche Finanzdoping oder Währungsdoping betreibt, kennt selbstverständlich die Zusammenhänge und Folgen. Man lügt nur auf höherem Niveau und trägt windige Finanztheorien abgehobener Wissenschaftler wie eine Monstranz ins Volk, um sich dahinter zu verstecken. Letzten Endes bezahlt das andächtige Volk die aufgelaufene Zeche der fürstlichen Schlemmer und vermeintlichen sozialen Wohltäter.
GO /Montagsdichter

03/11
Wie die Schneckenpost
Beansprucht eine Banküberweisung im Zeitalter der elektronischen Datenübermittlung mehr Zeit als seinerzeit die gute alte Postkutsche, so ist das nur mit einer Unverfrorenheit der Banker gegenüber ihren Kunden erklärbar. Erfolgt nämlich die Wertstellung zeitgleich mit der Abbuchung, und der Betrag wird erst nach einer halben Woche gutgeschrieben und wertgestellt, dann liegt eben in der unterschlagenen Zeit der kleine Gewinn; den großen Gewinn bringen allerdings die Massen der verzögerten Gutschriften.
GO /Montagsdichter

02/11
Test am lebenden Objekt
Man lege ein paar Blatt Papier in seinen Tintenstrahldrucker und drucke im Sparmodus einige Seiten Text, gemischt mit Buntem; Sparmodus deshalb, weil finanziell beim Tintenverbrauch nicht zu spaßen ist. Nun sollte man die frischen Druckerzeugnisse tüchtig begrapschen und wer mutig ist, streiche mit der Handfläche, ja auch mit dem Handrücken darüber und zerknülle hinterher die Bögen.
Da fragt man sich natürlich, wozu das gut sein soll? Na, wir haben es hier mit einem Experiment am eigenen Leibe zu tun!
Lange hat es gedauert, bis mir eine Idee kam, weshalb mir in der letzteren Grauhaarzeit, im Gegensatz zu früher, immer wieder mal heftig die Augen brennen und zwar sehr hartnäckig! Habe ich doch die häufig zu beobachtende Angewohnheit, die Brille hochzulüpfen und mir die Augen zu reiben: Wohlgemerkt, nicht aus allgemeiner Verwunderung, sondern der angenehmen Erfrischung der Guckis wegen. Weitere Erläuterungen kann ich mir nun ruhig sparen, denn falls Sie sich jetzt testkonform die Augen reiben, ist dem Augenbrennen nichts hinzuzufügen. Andernfalls liegt es an meiner billigen Nachfülltinten von wer weiß, woher und ich bitte Sie herzlich um Entschuldigung für Ihre vergebliche Mühe als Experimentator. Ein guter Rat kann dennoch nicht schaden: Augenreiben, zumindest aus banaler Verwunderung heraus, ist vorsorglich zu unterlassen und Händewaschen nach Zeitungs- und Druckerlektüre sei wärmstens empfohlen.
GO/ Montagsdichter

01/11
Arme Schlucker
Als Kassenpatient werde ich bei meiner Zahnärztin seit einiger Zeit nur noch zum Schlucken aufgefordert und damit ich erst gar nicht in Versuchung komme, ist kein Spülbecher mehr da. Zum Spülen werden nur Privatpatienten gebeten. Früher, unter bescheideneren Umständen, war das Rinnsal Spülwasser in der Leistungsbilanz noch drin; jetzt ist es wohl rausgeflogen? Da helfen auch keine zehn Euro Eintrittsgeld pro Quartel - schade. Ach was - Schande!
GO /Montagsdichter

11/10
So oder so: Die Sache mit dem Öl
Sind eines Tages die Ölvorräte aufgebraucht, wird das gewaltige Einschnitte für die Verbraucher bedeuten und weitreichende Anstrengungen beim Recycling auf allen Gebieten. Solche Bemühungen werden womöglich vor den Friedhofstoren nicht Halt machen, und dann könnte der künftige Werbeslogan lauten: "Pack den Opa in den Tank!" Die Tiger sind nämlich bis dahin längst ausgerottet, sie mussten ja für die Benzinwerbung eine Zeitlang herhalten.
Verhält es sich aber so, wie einige Wissenschaftler vermuten, dass Öl keinen organischen Ursprung hat, sondern anorganisch im Erdinneren entsteht und deshalb in unbeschränkter Menge vorhanden sein muss, dann haben die Ölmultis viel zu tun, das zu verheimlichen, denn womit wären die hohen Preise zu rechtfertigen, wenn nicht mit der Knappheit und der Endlichkeit von Öl.
Entsteht Öl letztlich aus Gestein, unter gewaltigem Druck und einer Höllenhitze, dann gibt es davon jede Menge, und Opa muss nicht in den Tank! Einfach zu schön, um wahr zu sein - oder?
GO /Montagsdichter

10/10
Zockerbande
Sieht man sich die großen wöchentlichen Handelsumsätze und die Schwerpunkte in ETF's (Exchange traded fund = börsengehandelter Fonds) bei einer süddeutschen Börse an, wird einem schnell klar, dass wohl kaum Investition, sondern Glückspiel angesagt ist und von Woche zu Woche nur wild herumgezockt wird. Man gewinnt beim Betrachten der wechselnden Favoriten den Eindruck, als liefe eine regelrechte Herde von einem Stall in den nächsten. Nicht schön, das anzusehen, was "Investoren" da treiben, schließlich vergeht einem dabei jede Lust auf eine längerfristige Anlage. Was nützt mir der umsorgte Obstbaum, also das schönste Depot, wenn andere mit seinen Früchten Fußball spielen?
GO /Montagsdichter

09/10
Blauäugige Schneekönige
Unsere Politiker und Bosse freuen sich wie Schneekönige, wenn sie u.a. den Chinesen helfen dürfen, ihre Papierberge brisanter Dollars abzubauen, welche zusehens an Wert verlieren, gegen Maschinen und ganze Fertigungsanlagen, inklusive Einweisung versteht sich.
Verhält es sich beispielhaft nicht so, als lieferten ausgemachte Schlaumeier den angehenden Weltmarktkonkurrenten erstklassige Sägen, womit diese schon bald die Äste absägen, auf denen sich deutsche Arbeitskräfte in Sicherheit wiegen?
Das Risiko der Schneekönige im heißen Sommer wird sich in Grenzen halten: Schneekönige sind meist nur kurzfristig orientiert und notfalls buchen sie eben entsprechend Winterurlaub auf unbestimmte Zeit; für das nötige Kleingeld haben sie bekanntlich vorgesorgt.
GO /Montagsdichter

08/10
Amseline
Während ich genüsslich auf der schattigen Terrasse in der abschwelenden Hitze des Tages meinen roten Rettich mit Butterbrot nebst einigen Streifen Emmentaler verzehre, gekrönt durch kühles, vorzügliches Weizenbier, beobachte ich seit geraumer Zeit eine gar nicht scheue Amseline, wie sie vor meinen Augen ihr Abendbrot in der Wiese zusammensucht. Eben rennt sie ein paar Meter in Sprintermanier auf mich zu, stoppt auf der Stelle und scheint nun aufmerksam in den Boden zu horchen - oder hält sie Ausschau? Wer weiß das denn - und gleich ein neuer Anlauf, abrupter Halt, ein Horchen oder Spähen - jetzt hat sie zugepackt! Mit der Spannung im Rücken eines Gewichthebers legt sie sich ins Zeug und hievt ruckweise einen Wurm aus dem Erdreich. Dabei wippt ihr Körper immer wieder nach hinten, sodass sich der Schwanz im kurzgemähten Gras durchbiegt. Welch kolossaler Wurm für die kleine Amsel! Mich schaudert beim Gedanken, mit ihr die Mahlzeit tauschen zu müssen. So starre ich bei verhaltenem Bissen auf das Geschehen bis der Wurm mühsam zerpickt und schließlich hinuntergewürgt ist. Der Vogel steht nun wie versteinert da, in sich gekehrt, als gälte es die letzten Lebenszuckungen seines Mahles noch als zarte innere Bewegung zu fühlen. Ich aber war ja zum Glück beinahe fertig und begann den Tisch abzuräumen: Blaues Tellerset zusammengerollt, unter den Arm damit. Die Linke nimmt den leeren Rettichteller auf - Vorsicht Salzlauge - am kleinen Finger eingehängt, der Salz- und Pfefferstreuer. Unter dem rechten Arm klemme ich die leere Bierflasche, mit der freien Hand werde ich mir das Bierglas schnappen. Und gewusst wo, nämlich zwischen die Lippen gepresst, die flache Packung Käse. So aufgepackt schleiche ich mich davon. Einen Seitenblick schenke ich der Amsel, welche noch immer ein paar Schritte weit entfernt von mir in der Wiese steht und mich jetzt aber völlig fassungslos anstarrt. Ob man es glauben will oder nicht, sie sagte etwa: "Was seid ihr doch für komische Geschöpfe!" Na, zumindest hat sie so geguckt...
GO /Montagsdichter

07/10
Ein bisschen Müll muss sein...
Dieses wunderbar frische, natürliche, natriumarme, stille Tiefenwasser aus der letzten Eiszeit, mit seinem unverwechselbaren Beigeschmack der Kunststoffflasche. Dieser grandiosen Errungenschaft, mit globalem Verbreitungsgrad bis in die letzten Idyllen dieser Erde hinein, plus fantastischer Beständigkeit - zum Schnäppchenpreis im Sechserpack! Natürlich kunststoffverschweißt, unverrottbar, wie die Flasche. Bier gibt es neuerdings auch in Kunststoffflaschen! I am happy! Und die unzähligen Colas, Spezis, Lemmons und Mixes, auf die stößt man ja schon lange, worldwide: Yes we can they throw away - simply wonderful!
Erst neulich sah ich einen TV-Beitrag, in dem es um Plastikmüll ging, u.a. auch um ein schwimmendes, gebietstreues Müllfeld im Pazifik, von der Größe Europas. Bin gespannt, wer sich dieses "Wertstoffterritorium" einverleiben wird? Und passend dazu hörte ich im Radio, dass auch der Weltraummüll zum Problem geworden ist. Inzwischen seien 16000 Objekte lokalisiert und müssten ständig überwacht werden, weil die Gefahr einer geschossartigen Kollision mit Raketen oder dieser fragwürdigen Weltraumstation rasant angestiegen sei, besonders nach dem kürzlichen Zusammenprall der beiden Satelliten über unseren Köpfen. Wann wird der "Deckel" zu sein, es niemand mehr wagt, durch die Müllgeschosse hindurchzustarten? Wie lautet dann die Weisung? Keiner verlässt die Erde, der letzte drückt auf den roten Knopf! - das brutale Vermächtnis an unsere Urenkel, wenn es hier unten zu Ende geht?
G.O. /Montagsdichter

06/10
Rasende Autoren
Vergleichen wir einmal das Schreiben mit dem Autofahren: Der Gasfuß beim Schreiben ist so wenig sinnvoll wie im Kraftfahrzeug, wenn Geschwindigkeit vor Vernunft geht. Oder schlimmer noch, wenn Alkohol uns die Sinne vernebelt. Wer also wohlbehalten ankommen will, halte sich daran. Letztlich ist das Ziel der entscheidende Punkt, sowohl beim Wagenlenker, wie dem Schreiber: Wohin will ich mich oder den Leser bewegen? Nur ziellos herumzusausen ist auch vielen Autoren in ihren Büchern eigen; sie geben vor, das Schreiben mache ihnen eben nur Spaß - aber ist das ein Grund, ihre nicht ungefährliche Raserei zu lesen? Denn: Mit was du dich eindeckst, das besitzt du, und was du besitzt, das formt dich, und was dich formt wird zu Glück oder Unglück.
G.O. /Montagsdichter

05/10
Finanzverständnis kann so simpel sein ...
Wir haben nun die Situation, gewissermaßen hinter einem riesigen Spieltisch zu stehen; die Einsätze werden gemacht und unser Geldvermögen wartet auf den Croupier, der uns das Glück finanzieller Sicherheit bringen soll. Der aber hat sich verspätet und so wird, während noch mutig Einsätze gemacht werden, inzwischen schon mit dem Abräumen begonnen, ehe das große Spiel beginnt. Wer jetzt seinen Einsatz unbeobachtet lässt, sieht am Ende nur den leeren Spieltisch - und die Abräumer, ja wo sind die eigentlich?
Unser ungedecktes Kreditgeld, das ja nur auf Versprechen basiert, hat die üble Eigenschaft sich hemmungslos zu vermehren und damit zu entwerten; dadurch nähert es sich langsam aber sicher dem Wert von Spielgeld. Die Abräumer wissen das, sie verwenden dafür verklärendes Vokabular - Währungsreform sagt man doch nicht! - und organisieren im Hintergrund bereits das neue Spiel.
G.O. /Montagsdichter

04/10
Warum es kommt, wie es kommen muss
Wenn es um Fundamentales, wie die Zukunft unserer Gattung geht, mag angesichts der Gefahren und Bedrohungen vielleicht der Einzelne freiwillig handeln und einen Betrag zur Abwendung leisten. Die Masse aber, auf die es letztendlich ankommt, ist immer nur theoretisch zu Einschränkungen bereit, nicht aber tatsächlich. Solange die Umstände nicht brachial zum Handeln zwingen, steht also das Unglück im größtmöglichen Ausmaße bevor. Wir sind auf dem Wege dorthin und nirgendwo wird gehandelt - nur geredet.
G.O. /Montagsdichter

03/10
Heute mal zur Abwechslung ein Gedicht ...
Diridari-Derivate
G.O. /Montagsdichter

02/10
Schiesser ade
Amüsant, vor allem für die Männerwelt, was neulich im Fernsehen über Unterwäscheberaterinnen inmitten ihrer Waren zu sehen war. Als Mann erlebt da sich einer leicht verstoßen, darf er das ausschweifende Dessousangebot mit seinen neckischen Applikationen zum vergleichsweise bescheidenen eigenen Feinrippbedarf bestaunen. Bei ihm geht es nicht um Körbchengrößen, um Farbenspiel und Kombination, sondern mehr um die Frage, ob die vorgelegte Musterunterhose, die sich seit Jahrzehnten so famos trägt, noch irgendwie zu bekommen ist. Gibt es die Marke eigentlich noch? Der Beratungsbedarf bleibt auf die Hosendimension beschränkt. Früher, in der Burschenzeit, das weiß man noch gut, da waren es mal die 5-er und 6-er Größen - jetzt, hm, was wird man, beim Blick über den Bauch hinab, benötigen ...? Erklärend wird da gerne hinzugefügt, dass eben sonst die Frau solche Dinge besorgt und die wüsste natürlich die Größe. Zwischenfragen nach Ausschnitt oder gar Eingriff, die möchte man eher überhört haben, was soll das denn? - gerade wenn sich ein weibliches Duo nähert und das aufreizende Satzfragment der feschen Kundin herüberfröstelt: "... und meiner erst! Der reizt mich seit Jahren!" Der scheue Blick dahin, den Kleiderständer mit den Altmännerschlafanzügen streifend und den spontanen Einkaufstipp für alle Nacktschläfer im Kopf - man trägt wieder Hosen! - dabei das Lachen der beiden Damen leicht säuerlich erwidernd, senken sich die Augen hinab, dem Eingriff zu, dann zaghaft fragend empor zur Unterwäscheberaterin.
G.O. /Montagsdichter

01/10
Das Ticken der anderen
Beim Anblick eines Metronoms kam mir das unterschiedliche "Ticken" der Menschen in den Sinn. Nämlich so, wie ein Metronom per Schieberegler seinen Taktschlag, also die Geschwindigkeit ändert, mag auch unser vorgegebenes Lebensalter den Takt geben. Wer nur eine zwanzigjährige Lebenserwartung hat, dürfte also fünfmal schneller "ticken" als jemand, dem hundert Jahre vorbestimmt sind. Wir können das nicht wissen, nur sagt man: "Jeder tickt eben anders ... Wer Ohren hat, der höre!" Es sind wohl unsere inneren Ohren angesprochen. Und meine Fantasie hört und sieht zu allem Übel noch dazu die einen im Walzertakt leben, andere im Foxtrott durchs Leben gleiten und wiederum welche, wie sie tatsächlich marschieren. Bei einigen bimmelt es störend im Takt, andere haben das Läutwerk abgestellt und ganz sicher gibt es welche, die jeden Takt vermissen lassen.
G.O. /Montagsdichter

12/09
Frust in Time
Wer sich unserer modernen Technik in Gestalt elektronischer Gerätschaften verschrieben hat, wird zwar nicht zugeben wollen, dass er damit abhängig wurde, wie ein Drogenjunkie, doch leider ist er es. Findet man kein Update, keinen Service, keine Hilfe, kein Handbuch oder keine Antwort auf die wichtigsten von zwei Dutzend drängenden Fragen, dann wird man schlichtweg wahnsinnig. Und die Industrie, der große Drogenboss, sorgt für die Abhängigkeit mit neuen Standards, Anschlüssen, Protokollen und Systemen. So verplempert der moderne Mensch seine Lebenszeit und kommt nicht los vom Zwang der ständigen Aktualisierung aller Komponenten seiner hassgeliebten Abhängigkeit.
G.O. /Montagsdichter

11/09
Inflationslüge
Politiker sitzen in der Klemme, wenn es ums Aufbessern ihrer Einkommen und Pensionen geht. Einerseits verantworten sie durch zügelloses Schuldenmachen die ungedeckte Geldproduktion, gleichzeitig lassen sie, damit das nicht so auffällt, die verräterische Inflationsrate nach unten manipulieren: sagen wir, auf zwei Prozent. Andererseits fordern sie verständlicher Weise für sich den tatsächlichen Ausgleich des Geldschwundes: im konkreten Falle, acht Prozent. Eigentlich erhalten sie damit keine Erhöhung, nur einen Ausgleich. Trotzdem werden sie sich hüten, das Wahlvolk hierüber aufzuklären, sie gäben dann den Schwindel mit der Inflationsrate zu. Aber zurückstecken, wie es dem Volk beschieden, werden sie natürlich nicht; das ginge ihnen dann doch zu weit. So arbeitet die alte Einkommensschere auch unaufhaltsam im Parlament.
G.O. /Montagsdichter

10/09
Heiße Sohlen
Nachdem die Strumpf- und Sockenhersteller die Qualität ihrer Ware derart heruntergefahren haben, dass binnen weniger Tage die Kundenferse ans Licht kommt, scheinen sich nun auch die Pantoffelfabrikanten nicht lumpen zu lassen. Ich erlebe es nun bereits zum zweiten Mal in Folge, wie mir die beiden schwarzen Spezialsohlen, made in Italy, ihre vermutliche Sollbruchstelle, quer über die Trittfläche, erfolgreich vorzeigen, und das bereits nach einem halben Jahr Pantoffelherrschaft! Ja, es kommt sogar die Fingerkuppe im Fußtunnel zum Vorschein, wenn ich das Schuhwerk etwas durchbiege und meinen Zeigefinger riskiere. Weil die Sohlen mir nun drohen, vollständig auseinander zu brechen, wird es höchste Zeit, die sonst einwandfreie Fußbekleidung in den Müll zu werfen und schnell einen Nachfolger suchen zu gehen. Dankeschön, ihr kundenfeindlichen, hinterhältigen Pantoffelfabrikanten! Ich liebe euch wie Sauerbier!
G.O. /Montagsdichter

09/09
Seinen Mühlstein zertrümmern!
Als Leser hat man die Wahl: Entweder langweilt man sich mit der Romanfigur, trinkt einfühlsam den Cappuccino beim Italiener mit, schaut nervös auf die goldene Armbanduhr, Marke Soundso, trifft sich endlich, nach beziehungstechnischer Gedankenwälzerei mit dem Neuzugang, spielt in Folge den Zwangsvoyeur, und legt nach solcher Lesearbeit müde das Buch zur Seite und sich dann selbst ins Bett. Oder man liest sein Empfinden mit Alltagsmüll mausetot: Steuerliches, Rechtliches, Finanzwirtschaftliches, Politikwissenschaftliches, Gesetzliches und ander (Wider)-liches. Bleibt als Alternative, sich das schwere Werkzeug zu suchen, um mühselig seinen persönlichen Mühlstein zu zerkleinern, den ein jeder tagein tagaus um den Hals hängen hat; sogar Rückenschmerzen sollen sich dabei bessern! Leseinhalt muss eben sein, wie der heftige Schlag auf den Kopf, denn sonst hat man nichts davon.
G.O. /Montagsdichter

08/09
Dreckskerl
Welch ein wohliges Gefühl, in seinem Wagen entspannt durch eine Waschanlage zu gleiten! Wo es dienstfertig werkelt, schrubbt, putzt, gleichzeitig aus allen Düsen sprüht und das Wasser rings um dich herum aufs geliebte Blech einprasselt. Das Fahrzeug rollt nun trocken geföhnt nach draußen und dein Blick ruht wohlgefällig auf glänzendem Lack. Da! Der ungewaschene Dreckskerl im Auto vor dir hat dich im Rückspiegel wiedererkannt. Er zeigt dir beim Abfahren den Stinkefinger, weil du ihm knapp vor einer Viertelstunde auf der Schnellstraße den Vogel gabst, als Antwort auf sein dreistes, lichthupendes Drängeln. Gib's doch zu!
G.O. /Montagsdichter

07/2009
Wetterfröschliches
Schon seit langem beobachte ich auf den Wetterkarten des Fernsehens einen häufigen und sehr beständigen Wolkenkreislauf, der sich gewöhnlich im Uhrzeigersinn, mal dagegen, über Nordeuropa bewegt. Leider sieht man meistens nur einen Ausschnitt, doch ich vermute hier einen Umstand, der dem komplizierten Bild des Klimawandels ein, zugegeben fantasielastiges, Mosaiksteinchen hinzufügen könnte. Betrachtet man die Zirkulationsrichtung, so wird unsere relativ warme Luft in die Polarregion befördert, was dort ja zur Erwärmung und zum Abschmelzen der Gletscher führen kann, und die immer noch reichlich kalte Polarluft strömt dann in unsere Breiten zurück. Damit erklärte sich der Widerspruch, warum es zur allgemein festgestellten Klimaerwärmung, bei uns in Nordeuropa eher kühler und ungemütlicher wird, jedenfalls, wenn ich einen gefühlten Erfahrungsmaßstab anlege. Ähnliches mag auch eine weitere, zwar seltenere persönliche Beobachtung bewirken, nämlich, wenn der Wolkenpulk in großer Höhe nordwärts zieht, und eine andere massive Wolkenschicht darunter von dort kommt. Diese Erscheinung hatte mich einst in Erstaunen versetzt, inzwischen halte ich wettermäßig alles für möglich, und woher im Falle des Falles der Wind weht, kann ich dann auch nicht mehr sagen; der scheint ja manchmal aus allen Richtungen zu blasen. Wenn aber wieder einmal der Temperaturkreislauf zusammenbricht, oder Wolkenlöcher entstehen, die tageweise Sonneneinstrahlung gewähren, bemerken alle, wie intensiv die Sonne zu Werke geht, Hand in Hand mit Meldungen, wie diese: "2009 - der bisher wärmste April seit den Wetteraufzeichnungen!" Und ist das Wolkenkarussell erneut gestartet, können uns wieder wochenlang eisige Nordostwinde umwehen ...
G.O. /Montagsdichter

06/2009
Zu den Dauerverlierern der Börse zählen vor allem jene, die sich mit dem Börsenzyklus nicht im Gleichschritt befinden. Wer beispielsweise beim Milleniumcrash sein Geld verloren hat, wird im zeitnahen Aktientief gewiss nicht eingestiegen sein, da er entweder kein Geld mehr besaß oder weil ihn der Mut verlassen hatte. Wenn aber nach vierjähriger Aufwärtsbewegung ein Aktienhoch nahe rückt, lauern die synchronen Kursgewinner auf die Neueinsteiger, die inzwischen wieder Geld angespart und ihr letztes Schlamassel verdrängt haben, um ihnen ihre Wertpapiere zu Höchstpreisen zu überlassen, bevor die Kurse wieder abstürzen. So simpel funktioniert Börse - nur, wie ist man börsensynchron erfolgreich? Es gleicht beinahe der Frage: Wie wird man reich geboren? Reine Glückssache!
G.O. /Montagsdichter

05/2009
Identitätsfeststellungsverfahren: Lass dir von deiner Post bestätigen, wer du bist, damit die neue Bank erfährt, ob du der auch bist, für den du dich ausgegeben hast: Es kostet dich keinen Cent! Dann erhältst du deine Zugangsdaten: PIN, deine TAN's, vielleicht auch Super-PIN, ID-Identiffer, Traderpasswort, Telefon-PIN und natürlich deine Kontonummer. Bedenke aber: Eine Bank ist keine Bank - du solltest mehrgleisig fahren! Dann kannst du dein Geld überweisen. Ob du es nach der Finanzkrise wieder bekommst? Oder hast du womöglich gar keinen Computer, weißt mit PIN und TAN nichts anfangen - oder hast einfach keine Lust? Das könnte dein Glück sein...
G.O. /Montagsdichter

04/2009
Ich bin wirklich gespannt, wann mein Hausarzt eines Tages hinter Glas sitzt, mir durch den eingebauten Gummihandschuh die Hand reicht, mich auffordert, vor Scheibe und Mikrofon Platz zu nehmen und etwa erklärt: "Verzeihen Sie! Ich bin leider zu dieser Maßnahme gezwungen: Mein Immunsystem ist nicht mehr das beste. Ich habe es satt, mich dauernd anzustecken - soll ich leiden wie ein Hund und gute Laune zum bösen Spiel machen, obwohl ich kränker bin als meine Patienten? Die dürfen es doch gar nicht merken! Ein kranker Doktor - das ist arg, schafft kein Vertrauen - verstehen Sie...? So, jetzt machen Sie bitte Ihren Oberkörper frei. Schauen Sie mal - drücken Sie genau hier! Tut Ihnen das weh...?"
G.O. /Montagsdichter

03/2009
Oh, ich bedauere es sehr, dass ich mir nach der Verschrottung des kaum beherrschbaren alten Videorekorders, einen neuen DVD-Rekorder ins Regal gestellt habe. Schuld trägt allein die Illusion, nach inzwischen fünfzehn Jahren verflossener Industriegeschichte, eine verbesserte Bedienbarkeit erwartet zu haben. Denkste! Als Gelegenheitsaufzeichner beginne ich nun fortschrittlich eine Programmierung mit drei Fernbedienungen für TV, Kabeltuner und DVD-Rekorder, kämpfe umher zwischen analoger und digitaler Fernsehwelt, tauche von Mal zu Mal tief ein, in die Betriebsanleitungen der Geräte und erlebe mich am Ende jedes Mal in der Selbsterkenntnis des dämlichen Idioten, der sich diesen Irrsinn, trotz besserem Wissen, leichtfertig aufgehalst hat. Als Dreingabe - und wie durch ein Echo verhöhnt - der Werbeslogan eines Elektronikmarktes: "Ich bin doch nicht blöd..." Jetzt, in der sich anbahnenden Wirtschaftskrise, befällt mich nicht einmal Mitleid wegen der Absatzprobleme der Industrie, denn sogleich sich solches einstellt, brodelt es mir siedend heiß in Erinnerung, wie arg, nicht nur die Unterhaltungsindustrie, ihre Kundschaft bisher mit ärgerlichem Krimskrams verarschte - Verzeihung! Leider könnten sich derartige Probleme im Laufe des zu erwarteten Niederganges als lächerliche Sorgen eines Wohlstandsverbrauchers vergangener Zeit herausstellen, d
em es bald schon um Wichtigeres gehen könnte, ums tägliche Brot.
G.O. /Montagsdichter

02/2009
Finanzpolitiker und ihre Gehilfen erinnern an Zauberer, die jede Menge Geld aus dem Hut hervorzaubern, gleichwohl der Staat gigantisch verschuldet ist, und verteilen es großzügig unter die Leute. Kommt es dann zur zwangsläufigen Geldentwertung, können sie ja schnell ihren Hut an den Nagel hängen und die Bühne verlassen. Insgeheim aber hoffen sie auf das Gelingen der magischen Crashnummer: Dabei platzen erfahrungsgemäß die bunten Bubbles der geldgierigen Investoren und Spekulanten und "Abrakadabra" verschwinden großenteils die Buchgewinne des Rechengeldes. Und wenn sich nach dem Crash der Schrecken wie magischer Rauch verzogen hat und sich die Turbulenzen in der Finanzshow gelegt haben, dann treten die Zauberer vors Publikum und erwarten Applaus. Anschließend dürfen sie ihre nächste Darbietung vorbereiten. Geht die Vorstellung aber einmal gründlich daneben, werden sie gewiss rechtzeitig mit der gesamten Normalität im Lande verschwunden sein.
G.O. /Montagsdichter

11/2008
Der Vorstandsvorsitzende war von der Brisanz der Geschehnisse im Unternehmen wie gelähmt. Er erkannte die Situation, bildlich gesprochen, als kreisrundes Problem ohne einen Ausweg. Eines Nachts träumte er von einem Ring Stadtwurst, der klar und deutlich vor seinen Augen hing, und als er die beiden Wurstenden, welche zum Ring miteinander verschnürt waren, mit geistiger Schere durchschnitt, war augenblicklich das visuelle Kreisproblem gelöst: Der Ausweg war da! Gleich am nächsten Tag beraumte er eine Dringlichkeitssitzung an und eröffnete den verdutzten Vorstandsmitgliedern seinen sofortigen Rücktritt. Niemand von ihnen wusste, was der Vorsitzende wusste. Der hatte für sich die Schnittlösung gefunden, seinen Frieden mit Unternehmen und der Stadtwurst geschlossen. Denn: Vermögen hatte er nun genug, ein goldner Handschlag war ihm sicher, und er war auch noch jung genug, um einiges davon für die Freuden des Lebens umzusetzen; den Erben bliebe ja immer noch reichlich. Vor die Presse trat ein sehr ernster, entnervter Vorsitzender, der in selbstloser Weise seinem Nachfolger Platz gemacht hatte und ihm jetzt, an diesem bedeutsamen Tage, viel Mut und Erfolg für die vor ihm liegende, schwere Zeit wünschte. Und niemand hörte, wie es inwendig aus allen Fugen des frischbackenen Pensionärs hervorlachte.
G.O. /Montagsdichter

10/2008
Der Kern eines Betrugs ist im Prinzip klar und durchsichtig. Damit er nicht durchschaut wird, muss er verschleiert werden: Kurz, es schlägt die Stunde der Täuscher, Lügner und Verpackungskünstler! Sie wirken als Einzelkämpfer oder in großen Netzwerken querbeet in allen Schichten der Gesellschaft.
Ob Gammelfleisch, Glykolwein, Melaninmilch, oder verlogene Statistiken, Wertlospapiere der Finanzbranche - alles lässt sich auf einen gemeinsamen Nenner bringen:
"Verkommt die Moral, gedeiht, was niemand wünscht im Saal".
Die aktuelle Finanzkrise nahm doch nur deshalb ihren Lauf, weil die schön verpackte Ware nicht mehr an die Endverbraucher abgesetzt werden konnte. Zum Glück ist der Schwindel rechtzeitig durchschaut worden und die tüchtigen Finanzjongleure sitzen auf ihrem unverkäuflichen Schrott und haben selbst den Schaden. Deshalb rufen sie jetzt in Panik nach dem Staat, wobei schlussendlich der Steuerzahler den ursprünglich angepeilten Endverbraucher ersetzen darf.
G.O. /Montagsdichter

09/2008
Auch die Süßwarenindustrie will uns jetzt offensichtlich Geschmacksmode diktieren, zur Freude der Zuckerlobby und sorgt, egal, was wir in den Mund stecken, für penetrante Übersüßung. Ich frage mich, wer solchen Geschmack haben soll, dem dieses widerliche Zeug noch schmecken kann? Verordnet, genau nach dem gleichen Rezept der Brillenhersteller: Da wird dir seit Jahren der Flachgucker auf die Nase gedrückt, auch wenn du das nicht möchtest. Schon mal versucht, eine Rundbrille zu kaufen? Es ist aussichtslos! Unter den tausenden Flachbrillenmodellen gibt es wohl europaweit seit Jahren nicht ein einziges aktuelles Rundgestell zu kaufen! Dabei höre ich unsere Unternehmer regelrecht schnarchen, denn irgendwann pinkeln ihnen fremde Hunde in die Marktnischen und bieten genau das an, was ich möchte. Vielleicht finde ich mal den Packungshinweis: "Milde Süße!" - oder das Optikerargument: "Die Rundbrille - ideales Lesevergnügen ohne Strich zwischen den Zeilen!" Bis dahin werde ich immer mehr zum Abstinenzler, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
G.O. /Montagsdichter

08/2008
Nach zahlreichen zermürbenden Diskussionsrunden im Fernsehen über die fortschreitende Armut im Lande und die katastrophale finanzielle Lage ganzer Volksschichten, den Abstieg des Mittelstands, seine Verarmung, betrete ich mit gemischten Gefühlen das Reisebüro und fühle mich als einsamer Geldverschwender, der sich darum mit diskreter Stimme unauffällig im proppenvollen Laden nach einer Türkeireise erkundigt. Der mitleidige Blick meiner Beraterin, signalisiert mir jedoch Aussichtslosigkeit. Wie beim Bäcker - die leeren Regale - alles ist zurzeit restlos weg! Da gewann auch meine Stimme wieder etwas Kraft und dank allerlei terminlicher Klimmzüge, zwängte ich mich, statt der ursprünglich geplanten sieben Tage, eben für zwei Wochen in die einzige Lücke. Unsägliches Glück hatte ich auch bei der kurzfristigen Parkplatzreservierung am Flughafen. Jetzt ausgebucht - doch wunderbarerweise - mein Abflugtag ermöglichte schließlich ausnahmsweise eine Reservierung! Wer ist denn da in der Luft, frage ich mich irritiert? Nach den Aussagen der von mir verfolgten Talkrunden können das nur die Reichen sein, oder wer sonst? Doch ein leiser Zweifel bleibt: Gibt es davon soo viele? Und hocken die sich wirklich in Touristenbomber? Viel wahrscheinlicher handelt es sich um einen Großteil der Mitbürger, die sich dazu gezwungen sehen, so ein bis dreimal im Jahr, via günstiger All-inklusive-Buchung, in fremden Landen den nötigen Winterspeck anzufuttern, damit sie hier im grausigen Winter nicht zugrunde gehen, wenn sie, wegen extrem gestiegener Energiekosten die Heizungen drosseln müssen, die Armen.
Aus Montagdichters Hirnsteinsammlung




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