Das Hirnstübchen
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Sportskanonen, alte Knochen

Ein alljährliches großes Ereignis rückte immer näher. Das Schulsportfest machte von sich reden.
In allen Klassen wurde in den Turnstunden fleißig trainiert, denn es galt, möglichst viele Siegerurkunden einzuheimsen, was ja auch ein begünstigendes Licht auf die Fähigkeiten des Turnlehrers werfen würde. Zu jener Zeit war uns eine Aushilfskraft beschert, ein rundlicher, schwergewichtiger Österreicher. Um seinen Kampfgeist zu verdeutlichen, möchte ich Worte wiedergeben, die er uns einmal zu Beginn einer Turnstunde ernsthaft zur Diskussion stellte:
»Schaut's, draußen ist's heut' eh' so kalt – möcht' ihr neet Stillbeschäftigung treiben – lesen und so ...? Ich kann heut' vor Kraft eh kaum steh'n!« Wir schauten ihn ziemlich verdutzt an; es passte uns gar nicht, wenn wir die Bänke drücken sollten, obwohl wir eigentlich Anspruch auf frische Luft und Bewegung hatten. So überstimmten wir einstimmig den Vorschlag unseres Vorturners und stürmten hinunter auf die Sportplätze, gefolgt in beträchtlichem Abstand von dem widerstrebenden Meister.
Wolfe und ich verdrückten uns sogleich durch eine viel strapazierte Zaunlücke und in sportlicher Manier liefen wir im Dauerlauf 1000 Meter bis zum Pauli, unsere Stammkneipe. Nach einem Gläschen Bier traten wir pünktlich zum Endspurt an und gesellten uns dann leicht beschwipst zu den verschwitzen Fußballern.
Das Sportfest selbst aber brachte uns leider um unseren Frühschoppen, wir mussten im Kampf um die Punkte unseren Mann stellen. Wir zwei waren für unsere unsportliche Begabung hinreichend bekannt.
Das allerletzte Wesen, das es auf sportlichem Gebiet gab, war aber der List. Ich hatte die Ehre, mit dieser Kapazität zum 100-Meterlauf anzutreten. Dieses Schauspiel ließ sich niemand entgehen. Da standen sie also beidseitig der 100-Meterbahn und grinsten uns spöttisch an. Der Startschuss brachte uns auf die Füße. Gegen unseren List war ich ein Vollblutsportler, denn schon nach wenigen Sekunden glaubte ich ganz alleine diesen Lauf zu machen. Mir wähnte, genügend Zeit zu haben, mich nach meinem Wettbewerber umzugucken. Dieser schlurfte weit abgeschlagen wie ein entkräfteter Marathonläufer über den Boden. Die lächerlichen Anfeuerungsrufe meiner Kameraden machten mich so verlegen, dass ich fürchtete, die Beherrschung über meine Beine zu verlieren. Endlich klickte die Stoppuhr; ich hatte es geschafft. Erst etliche Sekunden später hievte sich hustend unser List über die Ziellinie. Meine Zeit war miserabel, dennoch holte ich in anderen Disziplinen bei diesem Sportfest zu meiner größten Verwunderung eine Urkunde.
Glück und wenigstens Bronze muss man halt haben!

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