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Von Privat

Josefine

Im Reigen der kaufmännischen Fächer spielte auch die Lehre von Soll und Haben, die Buchführung, eine wichtige Rolle. Ohne sie wären wir als Kaufleute aufgeschmissen, sagte uns Josefine sinngemäß; also nichts wie ran ans neue Fachgebiet und fleißig die Löffel gespitzt, damit von Anfang an nicht schon der rote Faden fehlt!
Tschosefien, wie wir Josefine nannten, war eine blutjunge Lehrkraft, wohl frisch aus dem Examen gehüpft, und nur widerstrebend kam uns die Anrede mit Frau Professor über die Lippen. Da aber auch sie uns aufwertete und Fünfzehnjährige mit SIE ansprach, was übrigens nur sie als einzige Lehrkraft tat, klappte es schließlich doch. Wer nun glaubt, die Internatsleitung hätte uns ein kleines Sexidol beschert, der irrt gewaltig. Ganz im Gegenteil, ein richtiges Mauerblümchen, eine unscheinbare graue Maus hat man ins Haus geholt!
Für dämpfende Gefühle war also auch hier bestens vorgesorgt worden, ebenso wie küchenseitig nachgeholfen wurde. So munkelte man wenigstens und einige glaubten bestimmt zu wissen, dass von Zeit zu Zeit Soda ins Essen kam, damit die jungen Männer nicht allzu sehr der Hafer stechen sollte. Allerdings: Sollten sich einige für ein sexuelles Dämpfungsmittel interessieren – so viel Freiheit sollte in einer Demokratie ja möglich sein – kann ich leider keine Empfehlung abgeben.
Nein, ich muss das Wort Soda als nachgeplappert und ohne irgendwelche fachlich bezogene Kenntnis eingestehen. Was steht im Lexikon?
»Natron, Natriumcarbonat, kristallines Natriumsalz. Soda dient zur Wasserenthärtung und zu medizinischen Zwecken.« Vielleicht doch? Besser, Interessierte befolgen den bekannten Rat: Besuchen Sie dringend Ihren Arzt oder plagen Sie Ihren Apotheker – aber tun Sie wenigstens eins von beiden!
Buchführung ist ein schönes Fach, wenn man weiß, wie es geht. Ich hatte richtigen Spaß dabei, die Geschäftsvorfälle in die Konten zu buchen. Die Buchungssätze rasselten nur so daher: Kasse an Waren – Lieferung an Bank – Privat an Kasse. Angesprochene und erkannte Konten.
Du bekommst Geld. Bar? Ab damit ins Soll der Kasse.
Wofür bekamst du Geld? Für Ware. Sogleich damit den Warenausgang im Haben erkennen! So füllten sich allmählich die Kontenspalten mit Zahlen und ihren Gegenbuchungen. Belege wurden gesichtet und Geschäftsvorgänge abgeleitet, gebucht, addiert, saldiert, übertragen abgeschlossen und so weiter und so fort. Wozu das alles?
Damit du es schriftlich hast, wenn du pleite bist.
Guten Mutes war ich, als Josefine die Kontenbögen und das Material für eine Schularbeit austeilte. Fortan herrschte rege Betriebsamkeit, die Bänke schienen viel zu schmal für die breiten Journalbögen und deren Geflatter erfüllte das Klassenzimmer. Ausgezeichnet! Ich hatte die Aufgaben überflogen, ihr gutes Gelingen abgeschätzt und war zufrieden mit meinem Los. Die ersten beiden Eröffnungsspalten hatte ich übertragen und wollte nun ganz gemütlich, an die eigentliche Arbeit drangehen, also zuerst mit den Buchungen beginnen; knapp zwei Stunden blieb hierfür Zeit.
Bereits beim ersten Betrag, den ich buchen wollte, lief ich wie der Glaser gegen seine eigene Glastüre.
Hoppla, das geht doch so gar nicht! Die Gegenbuchung funktioniert nicht, bin ich denn besoffen? Was ist denn das für ein Mist? Sind die Formulare anders als sonst? Inzwischen wurde ringsumher mit vollem Eifer gearbeitet und zufriedene Gesichter zeigten mir deutlich, es kann nicht an den Formularen liegen. Du machst was falsch! Aber was? Ich habe noch keine einzige Buchung machen können, wieso ist jetzt schon alles kaputt? Nach weiteren langen fünfzehn Minuten waren endgültig bei mir alle Sicherungen durchgebrannt, ich erlebte ein Waterloo, wie ich es selten wieder durchgestanden habe.
Die Erkenntnis daraus: Auch Schüler, Kinder leiden sehr real! Das sollten wir Erwachsenen bedenken und die Sorgen der Kleinen nicht auf die leichte Schulter nehmen.
Ich sah mich jetzt als einzige Niete in einem Meer von selbstbewussten Prüflingen, erlebte mich als jemand der auch so siegesbewusst gewesen war, nun aber vom hohen Ross abspringen musste. Ich hörte hell sehend das amüsierte Kichern, wenn meine Sechs die Runde machen würde.
Nein – das geht nicht! Und wenn etwas nicht geht und du dich nicht ergeben kannst, was passiert da?
Entweder du wirst verrückt oder du lässt deinem Geist einen anderen Ausweg in den Körper hinein.
Wenn im Neuen Testament von Schweinen die Rede ist, die aus dem Besessenen ausfuhren, erinnert mich das symbolkonform und nachhaltig an meinen geistigen Ausbruch: Mir ist saumäßig schlecht geworden! Und dies geschah nicht unter Vortäuschung sondern in bester Reality, wie der Deutsche neuerdings sagt und damit jede Bindung an Muttersprache lässig hinter sich lässt. Kreidebleich und mit kaltem Schweiß auf der Stirn hob ich den Arm, machte meinen Brechreiz geltend.
»... muss was Falsches erwischt haben«, stotterte ich und war dabei kein Lügner, denn wenn es nicht am Essen lag, waren es doch die Formulare!
Josefine war sichtlich erschrocken über das Gespenst, das nun auf wackeligen Beinen daherkam und sie riet mir, mich ins Bett zu legen, die Arbeit könne ich ja gelegentlich nachholen.
»Gott sei Dank!«, hätte ich am liebsten gesagt, herauskam: »Ja, – danke, Frau Professor.«
Nachdem ich einige tiefe Züge Luft am offenen Fenster getankt hatte und es mir von Sekunde zu Sekunde wieder besser ging, machte ich vorm Zubettgehen einen kleinen Umweg in den Studiersaal, ging an mein Schreibpult und zog einen Pack Kontoblätter wie am Schopf hervor. Was habt ihr mir nur angetan! Mit zittrigen Fingern blätterte ich, um des Rätsels Lösung zu finden. Da – ich hatte die Zahlen in eine falsche Rubrik übertragen! Ich Schwachkopf! Zornig über mich und zugleich heilfroh über die simple Erklärung ging ich beruhigt zu Bette. Ein wirklich seltsamer Tag war das für mich. Beim Nachholen der Schularbeit war ich wieder der alte Buchführer, schrieb, wie meistens in dem Fach, eine Zwei und hatte die Geschichte von der drohenden Sechs schon abgehakt.

Ist der Mensch unbelehrbar? Obwohl er moralisch aufschreit, wenn andere an der eigenen erlittenen Schmach Schuld tragen, so hindert ihn das nicht daran, seinen Mitmenschen Gleiches zuzufügen. Die Schadenfreude bringt das zustande, sie ist stärker als ein schlechtes Gewissen und wir hatten sie wahrscheinlich gepachtet.
Josefine hatte für heute einen guten Vorsatz gewählt, sich radikal von der grauen Maus verabschiedet. Sie trug einen freundlich hellen, fast weißen Plisseerock – für Modemuffel: Pressfalten – und hatte sogar zaghaft Lippenstift aufgetragen. Gestrahlt hat sie über ihren Mut, als sie das Klassenzimmer betrat und ungelenk machte sie eine kleine Verbeugung, als ihr Kavaliere Beifall zollten.
Ja, man sah es ihr an, ihr tat das gut, und wir freuten uns ehrlich über den vorteilhaften Wandel in ihrem Erscheinungsbild. Mit hocherhobenem Haupt schritt sie ans Katheder und setzte sich dahinter. Aber im selben Augenblick war nun vieles zerstört oder hatte sich total verändert: ihre Vorsätze, ihr Selbstbewusstsein und das Bild, das sie sich von ihrer Klasse im Laufe zweier Jahre gemacht hatte. In ihrem Gesicht blitzte Erstaunen beinahe gleichzeitig mit Entsetzen auf und wie elektrisiert fuhr sie vom Stuhl hoch, griff reflexartig nach hinten und ein unsäglicher Ausdruck im Gesicht machte uns erschrocken.
Was war geschehen? Josefine stand vor uns und die Tränen schossen ihr in die Augen, sie war unfähig etwas zu sagen und als sie zur Türe rannte und fluchtartig das Klassenzimmer verließ, war uns das Licht aufgegangen. Dir auch liebe Leserin, lieber Leser?
Ich hoffe nicht, denn Spannung muss sein, sonst kommt kein Beifall oder kein Strom, je nachdem. Irgend so ein Mistkerl – manchmal war man der selbst – hatte den klitschnassen Tafelschwamm auf den Stuhl gelegt. Das flutschende Geräusch beim Draufsetzen war natürlich unüberhörbar, ich habe es nur unterschlagen – der Spannung wegen!
Unser Übeltäter hatte keine glückliche Hand, denn alle waren erbost über seinen Streich, doch der Schönheitsfehler dabei: Keiner wusste, wer es war. Da unter uns schon keine Aufklärung des Falles möglich war, würde das erst recht nicht durch die Lehrkraft geschehen können, deswegen rechnete ich insgeheim mit einer Kollektivstrafe.
Arg lange brauchten wir darauf nicht zu warten. Josefine war wieder da, hatte sich gefangen und ihre verwischten Tränen belegten deutlich, dass sie auch ihre Wimpern getuscht hatte. Nur war sie jetzt weit entfernt von ihren so vorteilhaften Vorsätzen, sie schrie uns wie eine Furie an und war außerordentlich giftig geworden. Immer vermied sie es, uns den Rücken zu kehren, da der Wasserfleck noch gut Einblick in ihre Unterwäsche bot, so etwas sehen Männer! Da braucht es kein Umdrehen. Sogar mit geschlossenen Augen sahen wir das Höschen, vorm inneren magischen Auge, gewissermaßen.
Das wildeste Gezänk in der Klasse konnte, wie ich geahnt hatte, auch nicht den Täter überführen und deshalb gab sie uns eine Strafe auf.
Sie griff nach Literatur, nach Lyrik, nach den Dreizehnlinden von Weber. Wer die Schwarte kennt, weiß, dass dies ein handfestes Buch ist, zum Bersten angefüllt mit antiquiertem Schnörkelreim. Der Weber möge mir vergeben.
Von Anfang bis Ende schwer verständliche, ausgedrechselte Verszeilen, so zweihundert Seiten lang, schätze ich. In unseren Büchertaschen hielten wir diese Dreizehnlinden vorrätig, da im Deutschunterricht der Stoff gerade behandelt wurde und auch etliche Verse zu lernen waren. So, da hielt sie uns also dieses Exemplar vor die Köpfe und schrie:
»Das ist euere Strafe! In acht Tagen kann das jeder auswendig! Ich werde diese Strafe im Direktorat durchsetzen!«
Und ehe wir mit ihr handeln konnten, war sie wieder zur Tür hinaus.
Mir war zumute als hätte mir jemand eine Schaufel in die Hand gedrückt mit der Aufforderung, den Schellenberg umzusetzen. Das ist absurd, dachte ich. Macht es Sinn anzufangen, wenn etwas unmöglich ist? Ich ging also klammheimlich auf Tauchstation, hütete mich, das Buch nur anzusehen, damit mir nicht die Lebensfreude abhanden kam und lernte keine einzige Zeile. Die Streber und kernigen Ackerer unter uns sah man in diesen Tagen nur noch hinter ihren Dreizehnlinden sitzen, aber guckte man genauer hin – mehr als ein paar Seiten hatten sie in ihren qualmenden Köpfen noch nicht abgespeichert. Und die Rebellen der Klasse trugen den ständigen Aufschrei in ihren Lippen und keine Stunde verging, ohne ihr Klagen über diese Sisyphusarbeit. Sie kamen nicht übers Lamentieren hinaus und lernten so gut wie nichts.
So verging die gesetzte Achttagefrist, die Stunde der Wahrheit rückte immer näher und die Klasse war bereit, die weiße Fahne der Ergebung zu hissen.
Was wird uns jetzt blühen, war die bange Frage? Josefine musste mit dieser Möglichkeit gerechnet haben, denn gefasst sprach sie, nachdem ihr unser Lernstreik und das niederschmetternde Ergebnis einiger Lernwilliger bekannt war, dass sie vorsorglich eine Fristverlängerung von weiteren acht Tagen im Direktorat zugestanden hätte und nun die Schulleitung sich selbst vom Resultat überzeugen möchte. Triumph klang in ihrer Stimme.
»Verflucht noch mal, hat man als Schüler denn nie seine Ruhe!«, kochte einer über, und auch den anderen wurde es jetzt sehr heiß unter dem Allerwertesten. Unkonzentriert, fahrig setzten wir die Zahlen in die Buchungsspalten und heftig rauschten die Dreizehnlinden vor dem nahenden Sturm. Jetzt nahm man die Sache ernst und deswegen behinderte unsere Ratlosigkeit und Sorge den nächtlichen Schlaf und bei Tagträumen in den gähnanfälligen Fächern fanden sich auch viele im Lindenwäldchen wieder.
Schließlich wurde mit jedem neuen Tag der Druck dermaßen mächtig, dass wir die Flucht nach vorne versuchten. Karre, der Klassensprecher wurde in die Höhle des Löwen geschickt, um den Fachmann und Kenner der Materie, unseren Deutschprofessor und damaligen Klassenleiter die Unzumutbarkeit dieser Strafe herauszukitzeln, damit dieser durch Verhandlung mit der gegnerischen Partei doch die Aussetzung der Strafe erwirken möge.
Das Hauptargument zur Verteidigung war die erdrückende Mehrheit der Unschuldigen. Nur einer war doch der Straftäter. Weshalb müssen aber alle anderen derartig abgestraft werden?
Arme Menschheit, – das ist auch dein Problem! Seit Symbol Eva, der einzigen schuldhaften Apfelesserin im Paradies, müssen alle Erdenbürger ihr Obst in einer verflucht dornenreichen Welt essen.
Auch King wollte uns nicht freisprechen, ließ sich nicht dazu bewegen; er fand trotz allem Für und Wider eine gehörige Strafe angebracht und war nur bereit, in fachlicher Hinsicht fürsprechend tätig zu werden.
Schillers Glocke sei leichter aufzufassen, genial im Versmaß und deswegen auch mit viel weniger Mühe auswendig zu lernen, meinte er. Ein Aufschrei der Gequälten und zähes Ringen mit dem Klassleiter brachten diesen wenigsten soweit, anwaltschaftliche Verhandlung zu führen in Sachen Schillers Glocke aber zu angemessenem Teil.
Die Gegenseite, Josefine mit eingeschaltetem Direktor, waren zur Abtretung ihrer Forderung an King bereit. Er bekam die Strafaktion in treue Hände übertragen, und die Klasse pochte anerkennend mit den Fäusten aufs Pult als King über seinen Erfolg in dieser Angelegenheit berichtet hatte. Solcher Weise lernten wir bereits als Schüler ein gutes Stück Streitkultur kennen und manche können damit getrost ihren nachbarschaftlichen Kampf in Sachen provozierende Gartenzwerge oder grenzmissachtendes Astwerk führen.
Übrigens – Nachbarn: Auch unverfängliche Konversation am Gartenzaun sollte nicht darüber hinwegtäuschen, welche Abgründe sich hinter netten Worten auftun können. Zeigt dein Nachbar etwa auffallende Tierliebe und vergöttert die lieben Weinbergschnecken? Sei vorsichtig! Er mag sie nicht! Kaum bist du fort, wirft er sie dir in den Garten.
Woher ich das weiß? Ich denke einmal bösartig:
Du wirfst sie doch auch hinüber zu ihm, wenn du unbeobachtet eine in die Finger bekommst. Glaube mir:
Es könnte manche Weinbergschnecke ein Liedchen als lebender Matchball singen, legt sie doch in ihrem Leben weit größere Strecken in der Luft zurück, als sie am Boden schafft. Kannst du aber deinem Nachbarn keinen Schneckenwurf nachweisen, macht das überhaupt nichts: Behaupte es einfach, wirst sehen, es funktioniert! Dafür gibt es doch Anwälte! Sie stehen wohlfeil zu Diensten und es findet sich immer ein Richter. Mit einer Rechtsschutzversicherung schließlich fehlt dir gar nichts mehr – nur noch der Streit. Also Mensch, verzage nicht: Wer eifrig sucht, der findet auch! Wer aber auch nur ein Quäntchen gesunden Menschenverstand besitzt, wird das für seine Person zu verhindern wissen.

Unser reduziertes Strafmaß, das wir erkämpft hatten, hielt sich zum Glück in Grenzen, nur noch ein paar Seiten aus Glocke waren zu lernen, aber es war ein Lyrikvortrag vor der Klasse gefordert, der in die Benotung einfließen sollte. Ich stand damals auf der Notenwaage zwischen vier und drei und sah nun kurz vor den Zeugnissen eine gute Chance, mit einem erfolgreichen Vortrag des Gedichts, das Zünglein an der Waage auf die Drei zu senken.
Diese kleine Episode hatte bewirkt, dass ich mir die aufgegebenen Passagen besonders nachhaltig einprägte und eben diesen paar erzwungenen Versen verdanke ich meine spätere Zuneigung zu Lyrik, die mich damals eher abgestoßen hatte. An dieser Stelle sei ein kleines Experiment erlaubt. Ich werde einige Verse aus dieser Zeit wiederholen, ohne seither jemals wieder diese Zeilen gelesen zu haben. Wenn ich vom Original abweiche, dann liegt das schlicht an der Zeit, die an unsere Erinnerung brandet und sich ihren Anteil vom Gedächtnis holt wie das Meer vom Felsen.

Wohltätig ist des Feuers Macht,
wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht –
und alles, was er bildet, was er schafft,
das dankt er dieser Himmelskraft!
Doch wehe, wenn sie losgelassen!
Wachsend, ohne Widerstand –
durch die vollbelebten Gassen,
wälzt den ungeheuren Brand.
In den öden Fensterhöhlen wohnt das Grauen,
und des Himmels Wolken schauen – einen Blick,
tief hinein, nach dem Grabe seiner Habe,
die dort ließ der Mensch zurück.

Abweichungen festgestellt? Ich werde nicht nachsehen, mir genügt das Ungefähre.
Ungefähres in einer ganz anderen Größenordnung war mir im Zusammenhang mit den ersten vier Verszeilen dieses oben zitierten Gedichts begegnet.
Ich hatte neulich ein Spracherkennungsprogramm gekauft in der faulen Absicht, mir das künftige Eintippen der langen Seiten in den Computer zu ersparen. Und beim Eintesten des Programms machte ich neugierig schon mal den Versuch, um Kollege Software auf die Probe zu stellen und diktierte eben diese vier Verszeilen ins Mikrofon. Was dabei auf dem Bildschirm herauskam, möchte ich euch nicht vorenthalten, denn das war doch der Gipfel! Ich las erstaunt:
Wohl Teltschik ist dieses Feuers macht
wenn sie wird Münch gesehen bewahrt
und alles was der Bild was er scharf
das dank der Gießener Hilfskraft.

Heiliges Ehrenwort, so – genauso kam das heraus!
Aus wohltätig war wohl Teltschik und aus dieser Himmelskraft war die Gießener Hilfskraft geworden! Alles erinnert stark an Bedienungsanleitungen asiatischen Ursprungs, die dort in Deutsch verfasst werden.
Ich beschloss, weiterhin lieber zu tippen, gelernt habe ich das ja und warf die silbrige CD-Scheibe ufoartig ins verdiente Landegebiet, den Mülleimer. Zugegeben, es war nur eine Light- und Simply-Version, aber für meinen Geschmack zu leicht, zu simpel, sodass ich auch das Zutrauen in die höheren Weihen des Standardprogramms verloren habe. Vielleicht mache ich im neuen Jahrtausend wieder einen Versuch, wer weiß?

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